Doris Knecht
| 02/08
| Kurier-Kolumne
Das lässt einen nicht kalt, diese Sache mit den Kampusch-Ermittlungen. Da drängt sich eine Kette von „was-wäre-gewesen-wenn“-Assoziationen ins Grübeln hinein, und fast immer läuft es darauf hinaus, dass Kampusch gefunden und befreit hätte werden können.
Wir habe Kampuschs Gesicht mittlerweile tausend Mal gesehen. Und wir haben das so unendlich oft gehört und gelesen, das mit dem Kind und dem Keller und den achteinhalb Jahren, dass es uns, als abgebrühte Massenmedienkonsumenten, kaum mehr berührt. Es ist nur noch eine Meldung aus dem vorletzten Jahr, die wir aufgenommen und einsortiert haben in die Furchtbarkeiten-Schublade, wo auch die Maddie-Meldungen liegen und die Darfur-Nachrichten.
Wäre die Geschichte so frisch schockierend wie damals im August 2006, als Natascha Kampusch sich befreite, wir hätten auf die Ausflüchte, die man derzeit von Platter, Missethon und Schögel hört, mit entsetztem Gebrüll reagiert. Dieses Abwiegeln und Ausbüchsen, dieses Abputzen und Verniedlichen: es ist unwürdig, es ist unanständig gegenüber Natascha Kampusch und es wird von den Bürgern nicht goutiert.
Dass man mit Fehlern politisch auch anders umgehen kann, zeigt dieser Tage der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber (55 Prozent bei den letzten Wahlen). Man mag den Vorarlberger als solchen für seine unklare Aussprache verspotten, aber wenn es darauf ankommt findet er klare Worte. Als jetzt Fotos auftauchten, die Mitglieder der Jungen ÖVP Vorarlberg beim Kühnengruß zeigten, lobte, verteidigte oder bagatellisierte Sausgruber die Sache nicht. Sondern er nannte sie „eine nicht tolerierbare Fehlleistung“. Klare Worte, die man sich auch andernorts wünscht.