Doris Knecht
| 02/08
| Kurier-Kolumne
Also, einerseits war ich zwanzig Jahre lang eine rücksichtslose Raucherin und habe jetzt keine Rücksicht verdient. Andererseits bekenne ich mich bis heute nur bedingt schuldig, da es mir kaum möglich war, Rücksicht zu nehmen, denn ich war süchtig: Krankhaft abhängig; weshalb mich die Nachricht überrascht, Nikotin solle innerhalb der EU zum süchtig machenden Mittel deklariert werden.
Ja was. Wie ist es möglich, dass es das bisher nicht war? Denn dass etwas derartiges wie Nikotinsucht existiert, sehen und wissen wir nun doch schon seit einiger Zeit: alle Ex- und die meisten Raucher auch aufgrund unvergesslicher körperlicher Erfahrungen.
Das Problem, das wir nicht zu lösen im Stande sind: wie man Nichtraucher vor Leuten schützt, die man nicht davon überzeugen kann, mit dem Rauchen aufzuhören. Was nicht funktioniert: Auf die Rücksichtnahme von Süchtigen zu hoffen. Die rauchen, das kann ich mit einiger Kompetenz behaupten, genau dort nicht, wo man es ihnen unter Strafe verbietet.
Natürlich ist es mir als einer, die mittlerweile 135.000 Zigaretten nicht geraucht hat, lieber, wenn die Luft sauber ist, vor allem wenn Kinder dabei sind und gegessen wird. Aber es macht überhaupt keine Freude, wenn einem die Leute, mit denen man Abends im Musiklokal ein Bier trinkt, ständig aus der Konversation hoppeln, weil sie draußen eine rauchen wollen: Da ist mir das Gespräch eigentlich wichtiger als mein Schutz.
Wie man das löst? Weiß ich auch nicht; aber genau dafür bezahlen wir doch Experten in Ministerien, dass sie für schwierige Probleme Lösungen finden: Z.B. wer wo geschützt werden will und soll. Sonst machts die EU über unseren Willen hinweg.