27.02.08

Bleib lieber sitzen

Doris Knecht | 02/08 | Falter-Kolumne | Freunde | Kinder und andere Mitbewohner | Kunst & Kultur

Wichtig ist, dass immer genug Essen im Haus ist. Das habe ich von meiner Mutter gelernt, die ihr Leben der Aufgabe gewidmet hat, Leute zu füttern. Falls bei uns plötzlich das gesamte Viertel vollzählig auftaucht, weil, ich weiß nicht weil warum, aber falls: kein Problem für uns, es ist genug für alle da. Der Kühlschrank ist voll, das Tiefkühlfach ist voll und das Vorratsregal ist voller lang haltbarer Nahrungsmittel, aus denen sich schnell 33 bunte Menüs aus drei Kontinenten zaubern lassen. Ist vielleicht etwas genetisches.
  Dennoch bringt mich die letzte Woche an psychische und phyische Grenzen. Am Montag finden wir, wir hätten die Horwaths zu lange nicht gesehen, also kommen sie zum Essen. Am Dienstag bitten wir die Breußes an unseren Tisch. Am Mittwoch haben die Mimis zwei Freunde zum Spielen zu Besuch, die von ihren Müttern wieder abgeholt werden, und das eine oder andere Glaserl und ein Teller Nudeln geht sich immer aus, auch für die Mutter von der Janine, die um halb sieben gleich gehen muss, und um neun muss ich sie aus der Tür treten. Ein Freund vom Langen, der etwas Ausgeborgtes zurückbringt, sitzt am Tisch und trinkt Bier. Am Donnerstag sind die Kinder bei den Breußes Film schauen, und wie ich sie abhole, bette ich mein Haupt auf ihren Küchentisch und sage, es tut mir leid, ich kann diese Woche keinen Sprudelwein mehr trinken, ich kriege eine Magenverätzung. Die Breußin sagte, dass etwas derartiges wie eine Magenverätzung nicht existiert, ich soll die Hand von meinem Glas wegtun. Um halb neun muss sie mich aus der Tür treten. Am Freitag sperre ich die Tür doppelt zu und stelle die Klingel ab.
   Am Samstag sind wir bei Künstlers eingeladen. Lauter gescheite, vorwiegend im Kreativbusiness tätige Leute stehen in Grüppchen herum und reden engagiert und ausschließlich über ihre Kinder. Jedenfalls soweit ich das beurteilen kann, aber vermutlich bin ich das Nilpferd, das jede intelligente Konversation in den Dreck des Banalen stampft. Wahrscheinlich würden sie, wäre ich nicht dabei, differenziert über die Wahl in Amerika und den deutschen Steuerskandal oder über den Falco-Film sprechen, aber während sie das nicht tun, wirken sie glücklich. Dann erscheint der Kunst-Star, kinderlos soweit ich weiß, und wir sprechen sofort differenziert über die Wahl in Amerika, den deutschen Steuerskandal und den Falco-Film, und es ist insgesamt sehr schön.
   Und am Sonntag gehen wir... Warten Sie. Weil am Freitag hat die Ostheopatin der Anna nach fünf Jahren Behandlung gesagt, sie braucht jetzt nicht mehr kommen. Sie ist fertig mit der Anna, es gibt an der Anna nichts mehr zu verbessern. Und am Sonntag geht die Anna mit mir und den Mimis, die das nicht können, eislaufen. Am Montag ruft die Anna die Ostheopatin wieder an, wegen einem Termin, dringend, wenns geht. Ich brauche bitte auch einen, weils mich auf die Hüfte geschnalzt hat., aber so. Au: Das passiert, wenn man sich zu weit vom Küchentisch entfernt.
« Leben ohne Vorhang | Main | Wir sind Klosterneuburg! »
kommentieren
(If you haven't left a comment here before, you may need to be approved by the site owner before your comment will appear. Until then, it won't appear on the entry. Thanks for waiting.)













« Leben ohne Vorhang | Main | Wir sind Klosterneuburg! »