Zumindest ist mittlerweile bewiesen, dass der kleine Kreis EURO-08-skeptischer Leserinnen und Leser, der sich in dieser Kolumne seit einiger Zeit hin und wieder zu einer Art Europhorie-Selbsthilfegruppe versammelt, gesamtgesellschaftlich keineswegs isoliert dasteht: Nein, die Gruppe – nennen wir sie die Anonymen EUROSkeptiker (AEUS) – repräsentiert, wie jüngste Erhebungen zeigten, in etwa die halbe österreichische Bevölkerung.
Hier herrscht massiver Motivationsbedarf, und wir wollen nicht angeben, aber auf dem Gebiet der EUROphorisierung durch positives Denken haben die AEUS bereits reiche Erfahrung, mit der wir nicht geizen. Denn wir haben schon Körbe voller Gründe gesammelt, warum die EURO wunderwunderwunderbar wird, und es werden immer noch mehr.
Bettina M. freut sich darauf, dass die englischen Hooligans während der EURO in England randalieren und nicht bei uns. Wolfgang Michael T. freut sich auf die frische Baumbepflanzung der Ringstraße nach der EURO. Brigitte J. lacht schon jetzt das Herz, wenn sie daran denkt, wie ihre Gesundheit von der Kurzführung der Ringlinien profitieren wird.
Besonders stolz aber sind die AEUS diese Woche auf Ursula S., der es gelungen ist, ihre Zweifel an der EURO mit hartnäckiger Selbstindoktrination zu überwinden. Vor Wochen noch konnte Ursula S. über EURO und Fanmeile nicht sprechen, ohne von Fäkal- und Destruktionsphobien geschüttelt zu werden. Dieser Tage gelangen ihr gegenüber dem KURIER schon Sätze wie „Vielmehr freue ich mich auf die Stimmung“, und „Auf Wien und seine Gäste wartet ein riesiges Fest“, und „Wir sollten alle diese Zeit genießen.“ Ja! So macht man das! Bravo Ursula!