Doris Knecht
| 02/08
| Kurier-Kolumne
Kaum hatte ich meine unschuldigen, also von vollendetem Halbwissen dominierten Neonkappenbeobachtungen mitgeteilt, wurden mir von meinen Lesern gleich die Hintergründe dazu überbracht: danke für die gute Mitarbeit. Leserin P., die ihr Wissen von einer halbwüchsigen Nichte bezieht, informiert mich, beim Neonkapperl-Trend handele es sich um den sog. „Vokuhila Stila“: das Blende-deine-Umwelt-Hauberl hat, so schreiben die „Stila“-Regeln offenbar vor, sehr hoch auf dem Haupthaar zu sitzen, das wiederum, nona, hinten länger zu sein hat als vorne.
Es gibt auch, für diesen Tipp danke ich der aufmerksamen Kollegin T., einen assozierten Tanz, der sich „Jumpstyle“ nennt: Alles darüber erfährt man auf der Website www.krocha.at und den dort gelinkten, betörenden YouTube-Filmchen. Denn was die Krocha (also: Kracher) in ihren von radikal schonungslosen Postings kommentierten Videos vorzeigen, ist in vielerlei Hinsicht sehenswert und sollte dallidalli in die laufende „Dancing-Stars“-Staffel Eingang finden.
Was YouTube übrigens beweist: Man braucht die jungen Menschen gar nicht vidoeüberwachen, sie tun es selbst und stellen das Material, für jeden einsehbar, ins Netz. Im Fall der Krocha erfährt man, wie und wo sie tanzen: am Balkon, im Stiegenhaus neben den Postfächern, vorm Küchenherd, im Jugendzimmer zwischen Bett und Einbauschrank, in der Bauernstube, im Aufenthaltraum der Reha-Klinik und, mit Gasmaske, in den Schlafsälen von Bundesheer-Kasernen. (Überhaupt sehr aufschlussreich: die Bundesheer-Kurzfilme. Bam, Oida, wie die Krocha sagen.)
Die Alten kochen, die Jungen krochen: Wieder etwas gelernt.