Doris Knecht
| 02/08
| Kurier-Kolumne
Der ORF sabotiert meine guten Neujahrsvorsätze. Diese Sache mit den jäh abgesetzten „Men in Trees“ kitzelt meinen Motschger-Nerv heftig. Die Kollegin Braunrath hat sich schon völlig zurecht beschwert, ich schließe mich an.
Zuerst redet uns der ORF ein, dass wir das unbedingt sehen müssen. Dann sehen wir das und finden es bestenfalls naja. Dann gefällt es uns, trotz Einwänden, mit der Zeit doch nicht so schlecht, also allmählich ganz gut. Wir gewöhnen uns daran und, zack, ist es weg. Miese Quote, baba.
Aha. Aber so öd und sinnlos dieser ewige Ruf den Berg hinauf auch sein mag, wir brüllen trotzdem: ÖFFENTLICH-REEECHTLICHES GEBÜÜÜÜHRENFERNSEHEN, SIE!
Dass im Privat-TV mit schlechten Quoten nicht lang gefackelt wird: gut. Aber der ORF sollte einen längeren Atem haben. Das Gegenteil ist der Fall: Ständig werden Sachen angefangen und, teilweise fixfertig produziert, panisch gestoppt („Extrazimmer“). Oder auf unmögliche Sendetermine verschoben und dann mittendrin abgesetzt (für immer und ewig unverzeihlich: „The Sopranos“). Oder Serien hören mitten in der ersten Staffel auf und fangen in der dritten wieder an („Dr. House“). Oder sie hören plötzlich auf und werden irgendwann wiederholt („Weeds“). Und sie fallen ununterbrochen jedem drittklassigen Sportereignis zum Opfer.
Natürlich kann man sagen: Sind ja nur doofe Serien. Aber dann lässt man‘s besser gleich. Wenn man mit Serien Erfolg haben will, muss man ihr Wesen ernst nehmen: Eine Serie braucht einen fixen Ort. Und sie braucht eine gewisse Zeit, um ihr Publikum zu verführen. Wenn man beides nicht garantieren kann, lieber erst gar nicht damit anfangen.