Doris Knecht
| 02/08
| Kurier-Kolumne
Nun dräut der EURO neue Ungemach, diesmal als Wurstkrise. Denn auf dem Weltmarkt herrsche eine Wurstdarmknappheit, mit dramatischen Auswirkungen auf die EM: In der Schweiz ist gar von einer Wurstpanik die Rede. Und wer das aufbrausende Temperament der Schweizer kennt, möchte ihr hitziges Blut lieber nicht durch massenhaften Entzug der Schweizer Nationalwurst, der Geschwellten, wallend machen.
Eine Lösung für die Wiener Wurstkrise verbirgt sich eventuell in einem Mail-Wechsel, in den mir die mittlerweile zart pikierte Leserin Maria H. Einblick gewährte. Frau H. wandte sich vor Weihnachten höflich an Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel: Sie fühlt sich, wenn Sie nach der Oper auf die Bim wartet, belästigt vom Geruch und der Beschallung, die genau dort aus zwei Kebab-Ständen dringt. Als freiwilliger Urbanist neigt man zwar zur Ansicht, dass eine Großstadt ein paar Essengerüche und ein bisschen Musik vertragen kann, allerdings wissen wir nicht, wozu Frau Stenzel neigt: Denn Frau H. wartet noch immer auf die Antwort, die ihr Stenzels Büroleiterin auf frequente Nachfrage frequent verspricht.
Aber. Vielleicht lässt sich mit genau diesen und anderen Kebab-Buden eine drohende Knackerkrise abwenden, weil in der Not nascht der Teufel bekanntlich Kuchen oder so ähnlich. Und wollen wir den Fussballfan, der eventuelle Enttäuschungen mit dem Verzehr von totem Tier in Darm kompensieren möchte, mit Hirse-Zucchini-Laibchen zu Gewaltexzessen provozieren? Wollen wir nicht.
Vielleicht lässt sich hier Schlimmeres mit mobilem Emergency-Kebab verhindern. Z. B. mit den Buden von vor der Oper. So wäre auch Frau H. geholfen; zumindest temporär.