Doris Knecht
| 02/08
| Kurier-Kolumne
Was ist los mit Wien? Die Straßenbahnen fahren seltener, die Toten werden nicht mehr abgeholt; und jetzt muss man sich um den guten, alten Eislaufverein sorgen. Das in einer Stadt, die überhaupt nicht arm wirkt oder den Eindruck macht, als könnte sie sich keinen Eislaufplatz in zentraler Lage mehr leisten. Eine tüchtig steuerzahlende Wiener Hobby-Eisläuferin würde deshalb meinen: die Stadt könnte dem Bund den Platz, ähnlich wie sie es bei der Erweiterung der Steinhofgründe auf“s lobenswerteste getan hat, ohne große Wellen einfach abkaufen und als innerstädtisches Klein-Erholungsgebiet für alle Wiener widmen.
Denn gleichzeitig kann man ja offenbar problemlos in der Innenstadt Häuser abreißen und an ihrer Stelle von britischen Star-Architekten (in Wien gibt es ja keine) noch einen sechsstöckigen Hobbyraum für jene errichten lassen, die in ihrer Freizeit eher teuer einkaufen als billig eislaufen. Ein sog. „Weltstadthaus“ (wer erfindet eigentlich immer diese behämmerten Begriffe?), stolz präsentiert vom gleichen Planungsstadtrat, der in der Sache mit dem Eislaufverein tüchtig herumdruckst. Denn es gibt, siehe Augarten, überaus konkrete Gründe, um öffentliche, innerstädtische Freiflächen zu bangen: Wer einen Konzertsaal in einen Barock-Park bauen läßt, der kann vermutlich auch ganz gut mit einem Eislaufplatz weniger leben.
Es gibt ja eh den jährlichen „Eistraum“ am Rathausplatz. Eine wirklich herrliche Einrichtung, in der ich mir am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein prächtig die Hüfte prellte. Und wo das dichte Gewurl der Eisläufer keinen Zweifel daran ließ, dass Wien auf den zweiten innerstädtischen Platz nicht verzichten kann.