Doris Knecht
| 02/08
| Kurier-Kolumne
Das Jungvolk hat sich neue Quälereien für die Spießer-Generation einfallen lassen: Die Neonkappen kommen. Die Lugner-City, Schaufenster juveniler Sinnsuche und Laufsteg für Trends, die bald die Stadt überschwemmen werden, ist schon voll davon: Voll von Jugendlichen beiderlei Geschlechts, die steife Schildkappen in den entsetzlichsten Neontönen (also allen Neontönen) tragen: neonwischerlgelb, neonschreipink, neongiftgrün. Die Kappen sind hoch, stirnseitig gepolstert und zitieren erbarmungslos das schlimmste Modeverbrechen der achtziger Jahre, das Netzleiberl. Ästhetische Gewaltkriminalitätsverherrlichung, wenn Sie mich fragen: Sieht aus, wie etwas, das ein drittklassiger deutscher Rapper in einem Video tragen würde, während er einer minderbekleideten Dame den Popo tätschelt; und genau da her hat der Wind die Dinger vermutlich auch geweht.
Stehen auch keinem, was allerdings, wenn ich mich recht erinnere, auch nicht der Sinn adoleszenten Modesündigens ist: Sondern man will Eltern Sätze abpressen im Stil von
Wie schaust du denn aus! und
So gehst du mir nicht aus dem Haus! und
Ach ja, und wenn alle anderen von der Klippen springen, springst du dann auch? Passen Sie auf: Bald, nächsten Monat oder schon übermorgen, ist die Stadt voll davon. Es wird wie vorletztes Jahr mit den gruseligen Croqs: Man sieht sie einmal und während man sich noch wundert, was jemand dazu bringt, etwas derart abseitig Geschmackloses anzuziehen, noch dazu außerhalb der eigenen vier Wände, haben es plötzlich alle an, tausende, abertausende, und an jeder Ecke stolpert man über eine Wühlkiste von billigen Kopien der Billigkopien. Da! Ich seh schon wieder eine.