Doris Knecht
| 02/08
| Kurier-Kolumne
Das ist einmal eine schöne Idee: 100 Krankls (oder sagt man: 100 Krankl?) werden während der EURO als Kunststoff-Skulpturen über Wien verteilt aufgestellt. Keine dummen Witze über hoffnungssattes, strategisches Herumstehen in Bezug auf unsere Nationalmannschaft, bitte! Wir wollen positiv denken, positiv, positiv, positiv. Und wer könnte uns dabei besser unterstützen als Hans Krankl, der personifizierte Glücksmoment der heimischen Fußballgeschichte.
Die Krankls werden die Zürcher giften, denn im öffentlichen Herumstehenlassen von Plastikklumpert habe die Zürcher eine lange Tradition. Erstens zwingt die Zürcher Abfallwirtschaft die Zürcher, zweimal wöchentlich ihren Müll in dafür vorgeschriebenen Züri-Säcken vor die Tür zu stellen, wo ihn dann die Müllabfuhr abholt. Was dazu führt, dass Zürich zweimal die Woche aussieht wie Neapel an einem schlechten Tag; es riecht nur besser.
Zweitens, und darum geht es hier, verstellen die Zürcher alle paar Jahre wieder ihre Stadt mit hunderten bemalten Plastik-Viechern; erst waren’s Löwen, dann waren’s Kühe, zuletzt waren es 630 riesige, grottengruusige Plastikbären: Was Touristen und Kinder entzückte und vom gelernten Zürcher eher resigniert abgenickt oder in Form vereinzelter Vandalenakte kommentiert wurde.
Weil sich natürlich die Frage stellt: Was hat der Bär in Zürich verloren? Diese Frage stellt sich bei Krankl und Wien nicht. Allerdings kann Wien von Zürich etwas Mengenlehre lernen. Weil: 100? Hundert Krankls sind bitte viel! zu! wenig! Wenn Zürich, bestenfalls ein größeres Dorf, mehr als 600 Bären verträgt, braucht eine Weltmetropole wie Wien, mindestens 1000 Krankls. Mindestens.