29.02.08

Mutter, übernehmen Sie!

Doris Knecht | 02/08 | Kurier-Kolumne

Wenn ich das richtig verstanden habe, soll der Papa-Monat so funktionieren: Kind kommt  auf die Welt, Papa nimmt einen Monat unbezahlten Urlaub (worauf er einen Rechtsanspruch hat), bleibt sozialversichert und erhält vom Staat 800 Euro Lohnersatz. Damit kuschelt sich die  junge Familie  vier Wochen daheim ein: Den Fehlbetrag auf  Miete oder  laufende Kosten spendieren die Schwiegereltern, oder man begleicht ihn mit Erspartem, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Bzw. aus den Überstunden, die der Papa macht (und zum Abarbeiten von Liegengebliebenem auch braucht), wenn er danach wieder arbeiten geht. Sehe ich das richtig?
Wenn das so ist, halte ich den Papa-Monat für eine subattraktive Idee und ich verwette meinen alten Wickeltisch darauf, dass seine Inanspruchnahme durch die väterliche Bevölkerung im unteren Zehn-Prozent-Bereich bleibt.
Das Ziel ist gut,  das Instrument ist schlecht. Denn worum geht’s der Frauenministerin und dem Sozialminister? Es geht darum, die Väter  von Anfang partizipatorisch in ihre Familien  einzubinden. Das ist richtig;  wichtig für die Kinder, die Mütter und die Väter selbst. Aber ich glaube kaum,  dass man das mit einem isolierten Vater-Monat erreicht. Und ich bezweifle sehr, dass es zu mehr gesellschaftlicher Gerechtigkeit führt.
Was wir brauchen: flexible Arbeitszeitmodelle für Mütter und Väter, die es beiden Elternteilen langfristig erlauben, sich gleichermaßen und gleichberechtigt um ihre Kinder zu kümmern. Ein Vater-Monat bewirkt genau das Gegenteil. Er sagt: Papa, einen Monat kümmerst du dich mit, dann übernimmt Mutter wieder voll. Das ist, Verzeihung, familienpolitisch komplett kontraproduktiv.
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