5.02.08

Verklärungsoffensive

Doris Knecht | 02/08 | Kurier-Kolumne

Alle paar Jahre, zu runden Falco-Geburts- und Todestagen springen wieder  all die Leute aus der Kiste, die eine Experten-Existenz darauf aufbauen, dass sie einmal mit Falco im U4 vom Barhocker gekippt sind; oder etwas in der Art.
Auch Falcos 10. Todestag begeht Österreich im Rahmen seiner Möglichkeiten: mit Werbebespots von Elektronikgroßmärkten, remixten Klingeltönen und mitternächtlichen TV-Talkshows mit ehemaligen Mitstreitern und Experten, die einmal mit Falco im U4 vom Barhocker gekippt sind: Zum zillionsten Mal wird die Frage geklärt, wer und wie der „wahre“ Falco eigentlich wirklich war und welche Bedeutung er für Österreich hatte. (Wobei in der ORF- Runde am Samstag so oft eine neue Falco-DVD angepriesen wurde, dass man sich zwischendurch in einer Tele-Shopping-Show wähnte.) Und natürlich werden  Falco-Dokus gezeigt, die die Verklärungsoffensive teilweise ins Lachhafte befördern. (Niki Lauda: „Der einzige internationale Popstar, der es weltweit geschafft hat.“)
Extra zum 10. Todestag kommt jetzt auch noch ein Falco-Film in die Kinos, den ich noch nicht sehen konnte, aber alle Gewährsleute meines Vertrauens, die konnten, hatten danach akuten Antiaggressionstrainingsbedarf. Weshalb ich mir jetzt nicht 100prozentig sicher bin, ob ich mir das antun will.
Überhaupt: Was ist so interessant an Falco? Die paar guten Songs, die er geschrieben und aufgenommen hat. Und wenn schon gedenken, warum nicht, indem man sich die wieder einmal in Ruhe anhört: Zum Beispiel  „Helden von heute“, in der Live-Version, ganz laut. Denn das, verdammt, lebt wirklich noch.
 
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