Doris Knecht
| 02/08
| Falter-Kolumne
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Der Horwath hat eine neue Brille: eine überaus eindrucksvolle Brille. Eine schöne Brille, in der Tat, in erstklassiger Qualität von Cutler and Gross in London, UK, gefertigt. Die Brille steht dem Horwath hervorragend. Wenn Sie dieser Tage einen Mann mit einer Brille erblicken, das ist der Horwath: Sie wissen es, wenn Sie ihn sehen. Ein missgünstiger Mensch mag einwenden, die Brille sei für übliche Brillenverhältnisse irgendwie viel, aber ich entgegne, dass sie zwar viel, für ein Charakterantlitz wie jenes des Horwath aber keinesfalls zu viel ist. Wenn Sie den Horwath mit seiner neuen Brille sehen: Es wird Sie kein Zweifel darüber anhauchen, dass der Horwath ein furchtloser Kerl ist, ein Mann, der das Neue, und sei es auch fremd und ungewohnt, unerschrocken antizipiert, und so, genau so, wollen wir die Männer haben.
Vielleicht müsste ich dem Kollegen Dings ein Foto vom Horwath zeigen, und sagen: Schau, Kollege, wenn der Horwath diese Brille mit Stolz tragen kann, kann ein Kerl wie du sich auch itunes von einem Weib installieren lassen, ohne dass ihn eine spontane Rückgraterweichung niederstreckt. Denn der Kollege, ein totaler Pop-Auskenner, kennt
itunes nicht. Täglich biete ich dem Kollegen an, ihm das schnell herunterzuladen, täglich wird das Angebot aggressiv ignoriert.
Denn wie einst der Lange, der ähnlich dem Dings bei allen technischen Sachen eine totale Semmel ist, beharrt auch der Kollege darauf, dass er so etwas wie itunes definitiv nicht braucht. Ich weigere mich, sprach der Kollege, mich mit Musik zu beschäftigen, die aus einem scheppernden Computerlautsprecher kommt und datenmäßig runterreduziert is. Eh. Heruntergeladene Musik, sagte der Lange, ist etwas für Leute, die Musik nicht hören, sondern nur konsumieren. Eh. Menschen mit ipods. Ja, du. Menschen, die nicht die Eier haben, ihre Wohnungen mit CD- und Platten-Regalen vollzustellen. Du hast ja so recht, Schatz. Menschen, die..., was: soll das heißen, ich kann jetzt hier von jedem Song über den ich im Uncut oder im Wire gelesen habe, gratis 30 Sekunden anhören, einfach so? Ja. Und ich kann hier meine CDs hineinspielen und neue Sampler zusammenstellen? So ist es. Und ich kann von einer CD nur einen einzigen Song kaufen, wenn ich den Rest der CD kacki finde? Ja, kannst du. Und wenn ich hier oben einen Songtitel, sagen wir mal, jetzt nur zum Beispiel „Too drunk to fuck“ eingebe, dann kommen alle Versionen, die davon je aufgenommen wurden? Die meisten. Aber ich brauche das eigentlich nicht, nur dass du es weißt. Ist mir klar, Schatz.
Die Geschichte von des Langen Affirmation des 21. Jahrhunderts beeindruckt den Kollegen selbstverständlich kaum: Dass man der letzte aufrechte Modernitätsverweigerer ist, bedeutet ja nicht, dass man nicht Recht hat.
Sollten Sie zufällig dieser Tage den Horwath oder den Kollegen Dings treffen: Zeigen Sie ihm, dass es Männer wie ihn braucht. Doch, das gilt für beide.
Ich fand den Blumenau nicht charmant beim Song Contest, und überdies was das Antiironiegefasel betrifft auch nicht sonderlich helle.
Und drittens: Das von Ihm und anderen Leuten favorisierte Lied war ein Mist, und zwar ein echter.
mfg
w.k.