Doris Knecht
| 02/08
| Kurier-Kolumne
Dieses Jahr ist alles anders. 2008 ist das Jahr, in dem Castro abtritt, und Falcos ehedemes Abtreten extrabreit getreten wird. Es ist das Jahr, in dem auch der für Fashion-Fuzzis bisher eher unpackbare Bob Dylan von den Glam-Hochglanzmagazinen vereinnahmt werden wird, „I‘m not There“ sei Dank – und den vielen trendsettenden Schauspielern, die in diesem Film mitspielen.
Es das Jahr, in dem wir Simone de Beauvoirs Beziehung zu Jean Paul Sartre wieder einmal auf ihren erotischen Content untersuchten. Es ist das Jahr der verzückten Erinnerungen an 1968, die auch mal putzige Kunstbegriffsneuorientierungen zeitigen. Wie sagte Guggi Löwinger am Sonntag im KURIER? „Als Künstler muss man neutral bleiben.“ Im Gegensatz zu Supermarktregal-Schlichterinnen, Bankangestellten, Bus-Chauffeuren, Ärztinnen, Sekretärinnen oder Altenbetreuern, die ihre politischen Anschauungen in ihrem Berufsalltag ungeniert ausleben können.
Es ist das Jahr, in dem der Vertrag des bräsigen Doppels Harald Schmidt und Oliver Pocher um ein weiteres Jahr verlängert wird, was die Süddeutsche Zeitung ein wenig aus der grammatikalischen Spur warf: „Die Frage ist, wer wem verlängert hat: die ARD Schmidt oder Schmidt die ARD.“ Dessen fragen wir sich auch.
Es ist, säawas!, das Jahr, in dem zähe, sehnige Vorarlberger mit „Matrix“-Sonnenbrillen nach Wien gerufen werden müssen, um einmal ein bisschen durchzulüften. Und es ist das Jahr, in dem Thomas Schäfer-Elmayer (im Seitenblicke Magazin) verblüffende neue Weiblichkeitspostulate aufstellte: „Die Unterwäsche gehört bei einer Frau einfach dazu.“ Oh. Echt. Schwestern, jetzt heißt es umdenken.