Doris Knecht
| 02/08
| Kurier-Kolumne
Christina Lugner wurde also jetzt, eigenen Angaben zur Folge, durch zwei Silikonkissen zur Frau gemacht, was gestern schon den geschätzten Kollegen Hohenlohe von der Umseite verunsicherte. Und auch ich frage mich irritiert: Was war Christina Lugner vorher, 42 Jahre lang? Womit hatte man es zu tun? Mit einem Zwitter-oder Zwischenwesen? Mit einem Dummy? Mit einem humanoiden Work in Progress, vollendet erst durch die Zauberhände eines Schönheitschirurgen?
Soll mit seinem Körper jeder machen, was er will: Aber je mehr verschnittene, überspannte, aufwattierte Gesichter mit final aufgerissenen Augen mir begegnen, desto lieber sehe ich solche, die einfach ganz normal altern. Und die Frage, ob es die Aufgabe der Medizin sein kann, an gesunden Körpern herumzuschneiden, um vermeintliche Makel im Zuge von unnötigen Operationen zu beschönigen, könnte man ruhig noch intensiver diskutieren.
Weiblichkeit jedenfalls (und es ist ungemein deprimierend, dass man diesen Satz tatsächlich formulieren muss, meine Güte) ist keine Frage der Körbchengröße. Abwesendes Selbstwertgefühl lässt sich nicht mit Silikon substituieren. Und es ist krank, wenn Mütter wie Christina Lugner ihren pubertierenden Töchtern die Botschaft mit auf den Lebensweg geben, ein Frauendasein unter Cup D sei ein vergebliches.
Natürlich: Es ist die Lebensphilosophie einer äh Frau, die sich jahrelang angesprochen fühlte, wenn der Gattungsname eines Nagetiers gerufen wurde. Man braucht von so jemandem kein ausgeprägtes feministisches Bewusstsein erwarten. Man könnte solchen traurigen Unsinn einfach ignorieren. Leider ist er längst gesellschaftsfähig: Die Vernunft schnarcht auf weichen Kissen aus Silikon.