Doris Knecht
| 02/08
| Kurier-Kolumne
Jetzt aber ein Wort zur Abkühlung, bevor der Wir-Wahn vollends um sich greift. Weil folgendes, ihr verehrten, bewunderten und unbeneideten Schlagzeilen-Dichter, die ihr komplizierteste Sachverhalte auf knappste Worte einzudampfen habt: Der „Wir sind“-Hammer hat den Nagel genau ein einziges Mal getroffen, als Bild ganz Deutschland zum heiligen Vater machte. Damals allerdings mit Wucht. „Wir sind Papst!“: Das war wirklich, wirklich gut, ach: das war kolossal, witzig, verboten triumphal, prachtvoll inkorrekt, eine der trefflichsten, wenn nicht überhaupt die trefflichste Schlagzeile, die im deutschen Sprachraum je gedichtet wurde, und ihr Dichter wurde hoffentlich mit güldenen Lettern bekränzt und mit Geldbündeln beworfen.
Und sie ist nicht wiederholbar. Nicht kopier-, nicht adoptier- und nicht übertragbar, ganz besonders nicht auf Unbeseeltes oder Immaterielles: Wir sind nicht Literaturnobelpreis, nicht Gold und nicht Schiflug. Wir sind nicht EURO und nicht schwanger (mit Eisbären-oder Pandababies). Wir sind nicht Oscar.
Aber natürlich wären wir jetzt alle gern Niederösterreicher. Denn in Niederösterreicher erlebt das zuletzt durch einen Giftanschlag übel gebeutelte Wir-Gefühl eine ruhmreiche Renaissance. Wie freudentaumelte die NÖ-SPÖ-Vorsitzende Onodi? „Die niederösterreichische Beteiligung mit dem in Klosterneuburg lebenden Regisseur und dem aus Gerasdorf stammenden Hauptdarsteller ist eine großartige Visitenkarte für unser Bundesland.“
Besonders Klosterneuburg, meinte dessen Bürgermeister werde nun „zweifellos international aufgewertet“. Das sollte ein raffinierter Tourismus-Slogan unterstützen: „Wir sind Fälscher“, vielleicht.