Doris Knecht
| 03/08
| Falter-Kolumne
| Frauen / Männer
| Kinder und andere Mitbewohner
Weil gerade Frauentag war, und weil ich gerade im „Zeit Magazin“ eine
Geschichte über moderne Familien gelesen habe, und weil auf
fm4.at gerade eine Feminismusdebatte läuft: Also, da werden junge Frauen zitiert, die sagen, dass es diesen Feminismus nicht mehr braucht, weil die jungen Männer eh super sind und man alles kriegt, wenn man es nur will. So ähnlich habe ich, als ich etwa in dem Alter und unbekindert war, auch geredet, mit Inbrunst, weshalb mich die Hofinger bis heute Postfeministin schimpft: Aber, Hofingerin, du verwechselst mich mit jemandem aus den Neunzigern. Außerdem war ich keine Postfeministin. Ich war Neofeministin: Ich hielt den Feminismus nicht für überwunden, er war mir nur zu aus der Mode, den wollte ich genauso wenig anziehen wie Omas Kittelschürzen, nützlich hin oder hier. Ich wollte einen anderen Feminismus: nicht weniger kämpferisch, aber lässiger, mit mehr Rock`n`Roll.
Doch nach wie vor respektiere ich das vorsätzliche Ignorieren von Emanzipationspipapo als bewussten feministischen Akt, in dem Sinn: die Beschäftigung
mit solchen Problemen bremst mich nur, ich tu lieber so, als sei alles ok und schaffe damit Alles-Ist-Ok-Tatsachen. Free your mind and the rest will follow: so. Bloß wird man, wenn man Kinder kriegt, stärker mit der Tatsache konfrontiert, wie sagenhaft unerfüllt die Forderungen des alten Feminismus noch immer sind. Diese „Zeit Magazin“-Geschichte: es geht um junge Familien, in denen Mutter wie Vater beidbeinig in schicken Beruf stehen. Die Geschichte ruft: Da, schaut! Es geht ja! Man muss nur wollen! Gegen Ende stellt sich heraus, dass eigentlich in allen Fällen hauptsächlich Mutti neben ihrer schicken Arbeit auch noch den Familienladen schupft, und zwar so, dass Papi glaubt, er schupfe voll mit. Was nicht der Fall ist; worüber man aber, da ja alle inkl. Mutti ure glücklich sind, großzügig hinwegsieht.
Fast alle Familien in meinem Freundeskreis probierens ernsthaft mit der Gleichberechtigung, und in allen gibt es eine Menge Ärger. Bei uns zum Beispiel ist es so, dass der Lange eben gerade mit den Mimis im Lainzer Tiergarten die Sonntagssonne nicht genießt, denn er ist angespeist, weil ich nicht mit bin. Ich sitze daheim am Schreibtisch und arbeite; darüber ist er unfroh. Hätten wir keine Kinder, wäre es egal, dann würde er im Schlafzimmer die Rollos dicht machen und zum Sound von „Germanys next Topmodel“ mit den „Wohlgesinnten“ in Stalingrad einmarschieren. Ich würde mich nicht wie eine Familienidyllensaboteurin fühlen, sondern wie eine taffe Neofeministin beim Vorantreiben ihrer Karriere, die Hürden des Patriarchats leichtfüßig überspringend, den Blick stur nach vorne gerichtet, in eine strahlende Zukunft. Danach würde ich zwei Stunden baden und mir die Zehennägel lackieren. Ich würde nicht extraschnell arbeiten, damit ich, bevor sie zurückkommen, noch die Küche aufräumen, die Wäsche aufhängen und ein Süppchen für die Kinder kochen kann, als Beweis meines guten Willens. Ja: wir kriegen es hin, aber wir kriegen es nicht umsonst.
dies ist alles so verdammt wahr. die kolumne hat heut richtig reingeknallt beim lesen im kaffeehaus während des wohlverdienten päuschens (während das kind noch im stickigen hort sitzt und auf die mama warten muss).
wahnsinn, wie kann man das so dermassen auf den punkt bringen? ich könnte an dieser stelle bände erzählen über eigene 100% idente erfahrungen, aber dazu gibts ja doris knecht!