Doris Knecht
| 03/08
| Kurier-Kolumne
Eins ist klar: Es kann nicht darum gehen, wie wir uns fühlen, wenn wir bettelnde Kinder auf der Straße sehen. Es geht nur um das Wohl dieser Kinder.
Dass uns das schlechte Gewissen darüber drückt, dass es uns gut und den Bettlern schlecht geht, ist ein unendlich kleiner Preis für das Privileg, nicht in bitterer Armut leben zu müssen. Der Anstand verbietet, dass wir aus dem Impuls der Gewissensbissvermeidung zur Problemunsichtbarmachung schreiten, in dem wir das Betteln einfach verbieten. Das ist zu billig.
Trotzdem: Kleine Kinder haben am Straßenrand nichts verloren, größere gehören in die Schule. Die Situation bettelnder Kinder, besonders, wenn die Erwachsenen, die sie zum Betteln missbrauchen, nicht ihre Eltern sind, ist für die Kinder unerträglich und unzumutbar. Und unmenschlich.
Dagegen sollte eine funktionierende Kommune etwas zu unternehmen imstande sein: Aber von allen Maßnahmen, die man dafür ins Auge fassen könnte, ist das Instrument der saftigen Geldstrafe hier das unangebrachteste. Es ist eine Verhöhnung dieser Menschen, die sich für einzelne Cent-Stücke erniedrigen, wenn man ihnen derart ungeheure Strafen - bis zu 700 Euro – zumutet. (In diesem Kontext interessant: Während sich die Stadt konsequent weigert, Wiener Hundekot-Bürgersteig-Verschmutzer empfindlich zu bestrafen – was in dieser Sache das einzig zielführende wäre –, beschließt man munter enorme Geldstrafen für ausländische Bettler. Aber die wählen ja nicht.)
Ja: Es braucht Hilfe und eine Lösung für die bettelnden Kinder. Das ist sie nicht.