11.03.08

Bundesbahn-Blues

Doris Knecht | 03/08 | Kurier-Kolumne

Frau R. wohnt in Wien Margarethen und arbeitet in Baden. Jeden Tag pendelt sie mit dem Zug zwischen Baden und Wien Meidling, löst dafür allmonatlich eine Monatskarte und ist somit eine klassische ÖBB-Stammkundin. Kürzlich entschloss sich Frau R. aufgrund eines Anrufs während der Heimfahrt, nicht wie sonst in Meidling auszusteigen, sondern  bis Landstraße weiter zu fahren.
Als kurz vor der Station Landstraße ein ÖBB-Schaffner das Abteil betrat, wurde Frau R. in der Sekunde bewusst, dass ihre Karte ja nur bis Meidling Gültigkeit hat. Sie erklärte dem Schaffner die Situation und wollte sofort den Fehlbetrag aufzahlen.
Womit Frau R. bei dem ÖBB-Mitarbeiter, wie man so sagt, auf Granit biss. Er verurteilte sie wegen Schwarzfahrens zu einer Buße von 61 Euro, zahlbar sofort und  in bar.
Frau R. hielt dagegen, dass sie im Besitz einer gültigen Monatskarte sei. Dass sie sich spontan zur Weiterfahrt entschlossen hatte. Dass sie den Zusatzbetrag selbstverständlich sofort freiwillig nachzuzahlen bereit sei. Dass es in anderen Bundesländern üblich sei,  bei einer spontanen Fahrtverlängerung unkompliziert aufzuzahlen,  ohne sich des Schwarzfahrens verdächtig zu machen. Frau R.s Plädoyer war, wie man so sagt, für die Fische.
Der Schaffner zeigte kein Verständnis:  Frau R. hätte in Meidling aussteigen, eine Karte nach Landstraße lösen und auf den nächsten Zug warten müssen.  Hatte sie nicht: Also wurde Frau R., die nicht genug Bargeld bei sich hatte, ein Erlagschein über 76 Euro überreicht: 61 Euro Strafe plus 15 (!) Euro Erlagschein-Gebühr.  So revanchiert sich die ÖBB bei ihren Stammkunden. Im Namen aller Pendler sagt Frau R.: Danke, liebe Bundesbahn.
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» 11.03.08 15:48
Norbert

Die Geschichte passt ausgezeichnet zu den Erfahrungen, die meine Frau und ich in letzter Zeit mit den ÖBB gemacht haben.

Da ist der Südbahnhof gesperrt, wegen "Emma". Es gehen keine Autozüge nach Florenz, sagt man uns. Nein, man kann auch keine vorausbuchen.

Und so weiter. Ein paar verschiedene, einander immer teilweise widersprechende Auskünfte, bis uns am Ende irgendeine freundliche Dame am Telefon mitteilt: "Ja, wieso denn? Natürlich hätte man jederzeit auch während der Sperre Tickets für den Autozug buchen können...."

Aber was will man auch von einem Unternehmen, dessen Mitarbeiter mit 48 in Pension gehen und das 17 Vorstandsposten braucht, weil so viele erfolglose Politiker zu versorgen sind....

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