31.03.08

Das stimmt eigentlich

Doris Knecht | 03/08 | Beschwerden | Falter-Kolumne | Frauen / Männer | Freunde | Kunst & Kultur

Der Kollege McDings, der all meine Offerten, ihm schnell itunes zu installieren, mit aggressivem Schweigen beantwortet hat, schreibt mir ein Mail: Er möchte sich so ein winziges Kasterl kaufen, wo man Musik hineinzaubern kann, er brauchts zum Laufen. Ob ich ihm sagen kann wie das funktioniert. Ich mail ihm zurück, ich kann, ob ich schnell hochkommen und ihm itunes installieren soll. McDings mailt, er will kein blödes itunes, er will in einen ipod Songs von seinen CDs einitun, weil die Scheißindustrie keine Kassettenwalkmen mehr herstellt. Ich mail ihm, itunes also, und der McDings, IQ irgendwo im Bereich 140 plus, mailt, ich soll ihn mit so einem neuen Mist in Ruhe lassen, er kann nicht mal den Senderspeicher vom Autoradio. Ich mail ihm: wenns der Lange kapiert, kapierst es auch du. Der McDings mailt, er hasst hasst hasst aber Songs in Digitalarschqualität, und dann gehe ich rauf und lade dem McDings itunes herunter, während er zickt wie eine Jungfrau, weil er das nicht will und nicht braucht und das oberablehnt, aber er sieht dann ein, dass ers effizienter in Grund und Boden verdammen wird können, wenn er weiß, warum.

Aber ich hab ja eh sonst nichts zu tun. Ich muss ja nur, wegen eines Zürich-Trips, jede Menge vorarbeiten, mit einem Kind zum Fädenziehen, mit beiden zum Zahnarzt (und der Belohnung für die Qualen wegen in den Spielzeugladen), dazu ein Essen für Haemmerli organisieren, der ausgerechnet vor meinem Zürich-Trip einen Wien-Stopp einlegt, und dafür dieses Papiermüll-Container, in dem wir hausen, wieder in etwas verwandeln, das annähernd wie eine Wiener Altbauwohnung wirkt. Das hat man davon, wenn man die Kinder weder fernsehen noch computerspielen läßt, um ihre Kreativität nicht zu ruinieren: Dann sind sie kreativ, meine Herren, in jedem Winkel der Wohnung sind sie kreativ. Und ich versage in zwei Mutter-Sachen auf ganzer Linie. Ich kann nicht frühstücken. Und ich kann nicht die Kinder zum Aufräumen überreden. Und selber räum ich ihren Kramuri erst weg (ok: drei), wenn ich mir eine Kreativverletzung zugezogen habe oder wenn einer wie Haemmerli kommt.

Auf jeder Ex-Freifläche der Wohnung kleben, hängen, stapeln sich Papierfaltgebilde, Bügelperlenkunstcollagen, Kartonvögel mit Brieflein im Schnabel, selbstgemalte Yu-Gi-Oh-Karten, Gameboys und Powerranger-Pistolen aus Pappe, Knoblauchkörbchen-Betten für Playmobilpiraten, mit Tixo zusammengepickte Jeans-Designer-Anzüge für Fashionista-Kuschelhasen, Klorollenschmuck. Wunderschön, Kind, ssssuper! (Wohin damit.) Scheren, Stifte, offene Kleberflaschen. Kaputte Klammerapparate, leere Druckerpatronen und was sie sonst aus meinem Mülleimer retten konnten. Wurstbrote unterschiedlicher Verwesungkategorien. Und während ich, um Haemmerli über den wahren Charakter meiner familialen Existenz im Unklaren zu belassen, den Flur bereinige und den Strickkorb verstecke,  entgehen mir elf Mails vom McDings, betr: ?!?itunes, und das macht nichts.
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