Doris Knecht
| 03/08
| Kurier-Kolumne
Lustige Perücken in der Humor-Produktion: Eine Zeit lang gab es für Humoristen mit Anspruch und ihr Publikum kaum etwas verpönteres. Pfui, pfui, pfui. Das war damals, als Josef Hader in Österreich das Kabarett neu erfand und Harald Schmidt im deutschen Fernsehen die Hallervordens und Krügers in Pension schickte und zu Recht am Höhepunkt seiner Karriere war.
Doofe-Hüte-bizarre-Brillen-Sketch-Komik galt mit einem Mal als unsportlich: Weil es ist leicht und billig ist, ein für Aufheiterung dankbares Publikum mit einer entwürdigenden Verkleidung zum Lachen zu bringen. Die Herausforderung hieß: Trag einen grauen Anzug und pack sie mit dem, was du erzählst. Pack sie am Hirn. Humor war endlich keine Frage der schrägsten Verkleidung mehr, sondern eine der wachen Intelligenz: so ungefähr die Differenz zwischen Villacher Fasching und Wiener Schmäh. (Der einzige, dem man das Verkleiden immer gern erlaubte, war der irre Hape Kerkeling, der nervenzerfetzenden Klamauk durch Brutal-Maskerade noch potenzierte: Aber der hat das in den Genen.)
Jetzt, wo Hader fast nur noch schauspielert und Harald Schmidt mit Oliver Pocher praktisch nur immer noch ein Flucht-Achterl kippt und noch eins, ist es mit diesem Purismus vorbei. Es gibt im Humor-Fernsehen, „Little Brittain“ sei Dank, eine neue Lust an Maskerade und Travestie, und es ist trotzdem lustig.
Wie die jungen ORF-Komiker, allen voran „Die 4 da“ (wahrscheinlich der beste ORF-Humor seit „Kottan“) allwöchentlich den Küniglberger Perückenfundus plündern, hat etwas brachial anarchisches und beweist: Humor ist, wenn der doofe Hut den wachen Witz nicht ersetzt, sondern überhöht. So hat man gut lachen.