Doris Knecht
| 03/08
| Kurier-Kolumne
Herr K. ruft mich an und sagt, er hätte da eine Geschichte, die Wiener Linien betreffend, und ich zücke den Kuli und mache mich auf das Schlimmste gefasst. Geschichten, derentwegen mich die Leser anrufen, sind, speziell, wenn sie die Öffis, die ÖBB oder die Post betreffen, meistens unerfreulich.
So wie, wer sich erinnert, jene Geschichten von der gnadenlosen Abstrafung von ÖBB-Monatskarten-Besitzern, die eine Station zu weit gefahren sind oder ihr Geldbörsel vergessen haben. Diese Sache nahm allerdings eine erfreuliche Wendung: Denn es rief mich eine freundliche wie zuständige ÖBB-Dame an und sagte, das seien nun wirklich sehr ärgerliche Vorkommnisse, und die ÖBB wolle den Betroffenen gerne die sogenannte „Kontrollgebühr“ von 76 Euro zu erlassen bzw. zurückzuzahlen. Stammkunden-Service, quasi. Geht ja: gut.
Zurück zu Herrn K.: Der erzählte, wie er am Ostersonntag an der Rossauer Lände mit seiner Frau auf die U-Bahn wartete und dabei am gegenüberliegenden Bahnsteig einen gebrechlichen Herrn beobachtete. Der Herr, geschätzte 70 oder 75 Jahre alt, humpelte auf zwei Krücken äußerst mühseelig den Bahnsteig entlang. Schließlich kam er zum Stehen, und alsbald fuhr eine U-Bahn ein. Allein, es war ein Kurzzug und der stoppte zwei oder drei Wagenlängen vor dem gebrechlichen Herrn, welcher sich auf Krücken und Füßen aufmachte, den Zug noch zu erreichen, was misslang.
Dann, so Leser K., geschah folgendes: Der Zug fuhr an. Blieb wieder stehen. Und dann tat sich genau vor dem alten Herrn eine Tür auf und er wurde eingelassen. Soll noch einer sagen, es gebe keine Wunder: Manchmal werden sie von mitfühlenden U-Bahnfahrern vollbracht.