Doris Knecht
| 03/08
| Kurier-Kolumne
Kurz bevor wir zum Schwimmen aufbrechen, rennt sich eins der Kinder den Kopf am Türrahmen an. Großes Gebrüll, und ich rufe: Himmel, müsst ihr euch denn ständig wehtun, ihr müsst besser aufpassen! Meine Mutter sagt, wenn die Kinder wachsen, haut es sie öfter hin, sie weiß auch nicht warum: ganz offenbar wachsen meine gerade. Ich tröste das Kind und lege es aufs Sofa, und wie ich gerade den Cool-Pack aus dem Kühlschrank holen will, sehe ich, dass es an der Augenbraue blutet. Oje, ein Cut. Armes Kind.
Wir fahren also nicht schwimmen, sondern in die Unfall-Ambulanz des AKH, und ich pack schnell noch ein paar Bilderbücher und den Schwimmbad-Proviant ein; Erfahrungswerte: einmal, als eins der Kinder Scharlach hatte, haben sie uns im St. Anna in einer Quarantäne-Kabine vergessen; kein Witz.
Im AKH melde ich uns an, wir warten ein wenig, werden aufgerufen, das Kind wird angeschaut, wir warten wieder ein wenig, das Kind wird geröntgt, wir warten noch ein bisschen und das Kind wird genäht. Und obwohl Sonntag ist und sie arbeiten müssen, sind alle Leute, mit denen wir zu tun haben, Schwestern, Ärztinnen und Ärzte, völlig freundlich mit mir und unglaublich lieb zum Kind: es bekommt leere Spritzen und bunte Pflaster und aufmunternde, anerkennende Worte, und deswegen bliebt das Kind auch ganz ruhig und gelassen, als es mit drei Stichen genäht wird, und es fließt keine einzige Träne.
Das war, obwohl Schwimmen besser gewesen wäre, eine gute Erfahrung: Dass in diesem riesigen Krankenhaus auch die kleinste Wunde am kleinsten Patienten derart sorgfältig und einfühlsam behandelt wird. Und das gehört unbedingt gelobt.