05.03.08

Oma fährt heim

Doris Knecht | 03/08 | Kurier-Kolumne

Diesmal musste die Oma ausgerechnet Samstag vormittag heim nach Oberösterreich. Da war schon Sturmwarnung: die Oma hat gewusst, dass die Züge langsamer fahren und ihre Anschlüsse wackeln. Mit Warten hat die Oma gerechnet.
Die Oma hat nicht damit gerechnet, dass der Zug in Linz gar nicht weiterfährt; das Ministerium, habe man durchgesagt, habe es angeordnet, und dass die Reisenden  sich an den Informationsschaltern über die Weiterreise informieren sollen.
Die Oma ist gleich zum Info-Schalter gestiefelt, wo man nichts wusste, dann zum Schalter, wo man auch nichts wusste, und wieder zum Info-Schalter, wo man immer noch nichts wusste. Dann wurde durchgesagt, dass sechs Busse am Vorplatz warten. Die Oma marschierte raus und befragte dann mit anderen Omas einen Bus-Chauffeur nach dem anderen; keiner wusste etwas. Do san d’Leit umadumgschossn, sagt die Oma, am Vorplatz war nämlich kein Lautsprecher, und wir sind immer in die Halle einipfiffen, damit wir ja nichts überhören, und wieder aussi, damit uns nichts vor der Nasn wegfahrt. Dann ging das Gerücht, dass ein Bus nach Wels fahre, die Oma fand den Bus und fuhr nach Wels. Dort gab es Durchsagen, aber der Sprecher habe  dermaßen genuschelt, sie und die anderen Reisenden hätten genau gar nichts verstanden. Dann war sie vier Mal am Infoschalter und vier mal am anderen, und schließlich fand sie selbst den richtigen Bus und war um vier daheim, ganz durchgefroren.
Das versteht man ja vollkommen, sagt die Oma, dass nicht alles nach Plan läuft, wenn eine Katastrophe ist,  dass man warten muss und alles. Aber man muss doch vernünftig informiert werden, oder ist das zuviel verlangt?
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