Doris Knecht
| 03/08
| Kurier-Kolumne
Der Frühling ist da, die Bäume schlagen aus, der Bärlauch sprießt: Ich habe schon welchen gefangen, am Waldviertler Waldesrand, packte ihn in ein Sackerl, nahm ihn mit nach Wien, tat ihn in den Kühlschrank und vergaß ihn dort, bis er verfaulte. Den Kollegen T. wird das befriedigen, denn er hasst Bärlauch und findet, seine Erwähnung auf Speisekarten sollte bei Strafe verboten werden. Das finde ich nicht: Ein-, zweimal Pasta mit Bärlauch-Pesto gehören zum Frühling wie der Krokus.
Apropos Kochen. Denn Frühling heißt auch Möbelmessen und Einrichtungsextras in den Zeitungen, und was sehen wir da u.a.? Wir sehen die moderne Küche in all ihren schicken Ausformungen. Teure, edle Küchen, und die Küchen-Designer, die sie sich fürs 21. Jahrhundert ausgedacht haben, schauten dabei offenbar zuviel „CSI“: Diese Küchen sehen aus wie Seziersäle, die man täglich mit dem Schlauch ausspritzt: nie soll der Verdacht auf sie fallen, dass darin gepatzt, gelebt oder gar gekocht wird.
Nun will ich nicht meine Küche idealisieren, in der Tassen von der Decke baumeln, Teedosen und Gewürzgläser sich riskant stapeln, wo große Töpfe und Bambusdämpfer unter der Eckbank hervorlugen, wo sich Kochbücher an Marmeladen an Schnäpse drängeln und die Arbeitsfläche vom Gemüse-Hacken ganz zerkratzt ist: reine Stauraummangelwirtschaft. Keine schöne Küche, aber eine Küche, aus der wir bei größeren Einladungen die Gäste mit Fußtritten nach drüben, an den großen Tisch im Wohnzimmer treiben müssen, weil: in der Küche ist es viiiiel gemütlicher.
Ich frage mich: Wer kocht und isst gern in einer Prosektur? Und was gibt’s heute im Seziersaal? Bärlauch-Nudeln? Eher nicht.