24.03.08

Und jetzt zum Hasen

Doris Knecht | 03/08 | Kurier-Kolumne

Von allen Dingen,  die ich in der Woche vor Ostern unbedingt noch erledigen wollte – und die meisten habe ich tatsächlich erledigt  – war  Ostereier-Färben mit den Kindern eine der wichtigsten; und das habe ich vergessen. Typisch. Das steht jetzt noch an, denn eine Sache kommt für mich einfach nicht in Frage: fertig gefärbte Eier im Supermarkt kaufen. Ist mir unmöglich. Es muss sich dabei um ein genetisches Defizit handeln, das sich auch auf Faschingskostüme erstreckt (was ich Jahr für Jahr wieder verfluche, wenn Plüsch- und Satin-Teile aneinander nähe) sowie auf fertig gefüllte Adventkalender und pflegeleichte Polyesterchristbäumen: Das geht nicht, da bin ich konservativ.
Die zwölf  Eier vom Biobauern, die seit Tagen im Kühlschrank liegen, werden heute also irgendwann noch in  färbige Chemiebrühen getunkt, was mich vor das gleiche Problem stellt wie derzeit die EU: Ist es dann noch ein Bio-Ei? Im Unterschied zur EU gibt’s bei mir zuhause allerdings nicht ganz so strenge Richtlinien für Bio-Futter. Bzw., es spielte keine so große Rolle, wenn ich vergessen hätte, Ostern in den Bio-Auflagen-Katalog einzuplanen, wie es die EU vergaß, weshalb es für bunte Bio-Ostereier nun EU-weit keine Richtlinien gibt, weshalb sie fast überall nicht als Bio-Eier verkauft werden dürfen. Anders als die EU darf ich sagen: Schmecks, es ist halt ein irgendwie gefärbtes Bio-Ei, Hauptsache  es ist genau sieben Minuten gekocht.
Aber: nein, Kinder, malt lieber nicht auch noch etwas Hübsches mit meinem Permanent–Marker drauf, weil ich glaube, der ist wirklich giftig. Und jetzt her damit: ich muss sie dem Osterhasen übergeben: Nicht, dass ich das auch noch vergesse. 

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