16.03.08

WIr denken eh für dich

Doris Knecht | 03/08 | Kurier-Kolumne

In London hat man – ich habe zuerst geschaut, ob schon  1. April ist, aber: nein – in einer Straße die Laternenpfähle gepolstert: Daran bumsen sich nämlich so viele Leute den Schädel an, während sie gleichzeitig gehen und smsen. Das Phänomen wurde  bereits benamst: Es nennt sich walk‘n‘text-Verletzung und tritt offenbar derar häufig auf, dass die Londoner Stadtverwaltung Handlungsbedarf sah. Die Lösung fand man aber nicht im schau-wosd-hirennst!-Appell-Repertoire, sondern im Schaumgummi-Laden.
Die Laternen-Polster haben etwas mit dem  diskutierten Rauchverbot gemein: in beiden Fällen geht es darum, den Menschen von der unerträglichen Last der Selbstverantwortung zu befreien. Wie ein Kleinkind, das durch die Wohnung stolpert, schützt man jetzt auch Erwachsene, indem man ihre Umgebung polstert und ihnen gefährliche Sachen verbietet. Im Unterschied zum Kleinkind hat der Mensch zwar schon ein fertiges Hirn und eine Lebenserfahrung, die er benutzen könnte, aber der Staat sagt: Spar dir das für ein andermal auf, wir denken eh für dich. 
Beim Rauchverbot hat das   Sinn, weil der Raucher ja nicht nur sich selbst, sondern auch andere gefährdet. Wenn aber der SMSer sich die Rübe am Laternenpfahl beschädigt, ist die Verletzungsgefahr für den Laternenpfahl relativ minimal. Man schützt durch Pfahl-Wattierung also nur die Fußgänger, denen nicht mehr zuzumuten ist, ein Hindernis auf dem Bürgersteig zu erkennen und ihm rechtzeitig ausweichen.
Das Prinzip lässt sich ausweiten: Gegen Ertrinkungsgefahr sichern wir die Seen mit Netzen, gegen Fenstersturzgefahr vergittern wir alle Fenster und gegen Erfrierungsgefahr heizen wir die Straßen und Gehsteige. Ja, so wird die Welt sicher sicherer.


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» 27.03.08 23:00
Heike

Hallo Doris,

Das war ein mobil telekom 'marketing ploy'... aber das wusstest Du sicher schon.

http://tinyurl.com/24wttn

TOWN Hall bosses are furious at a 'marketing stunt' photo-shoot by a telecom company which wrapped pads around lamp-posts in the street to 'protect' pedestrians from getting injured as they text messages on their mobile phones.

They sent out cleaning contractors to take the pads down in Brick Lane in London's East End as soon as it heard about the stunt.

But by the time they arrived on Tuesday, the pads had disappeared.

A shopkeeper in Brick Lane said the pads were only up "for five minutes."

The telephone information service had clad lampposts, bollards and signposts in padded material along the East End's curry mile with their logo to 'protect walkers from hurting themselves' while busy texting.

The 118 118 firm, whose slogan is 'got your number', claimed Brick Lane is the most dangerous street in Britain for what it calls 'walk and text injuries' and said dozy phone users have even broken bones when plonking into street furniture.

http://vice.typepad.com/vice_magazine/2008/03/london---unprot.html

UPDATE: Just as we suspected, this was a telcom stunt after all. When we sent our intern down to take a photo of the cushioned lampposts he could not find any. After talking to local shopkeepers it seems the mysterious pads were only up for five minutes and then removed when Tower Hamlets council sent down cleaning contractors.

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