In London hat man – ich habe zuerst geschaut, ob schon 1. April ist, aber: nein – in einer Straße die Laternenpfähle gepolstert: Daran bumsen sich nämlich so viele Leute den Schädel an, während sie gleichzeitig gehen und smsen. Das Phänomen wurde bereits benamst: Es nennt sich walk‘n‘text-Verletzung und tritt offenbar derar häufig auf, dass die Londoner Stadtverwaltung Handlungsbedarf sah. Die Lösung fand man aber nicht im schau-wosd-hirennst!-Appell-Repertoire, sondern im Schaumgummi-Laden.
Die Laternen-Polster haben etwas mit dem diskutierten Rauchverbot gemein: in beiden Fällen geht es darum, den Menschen von der unerträglichen Last der Selbstverantwortung zu befreien. Wie ein Kleinkind, das durch die Wohnung stolpert, schützt man jetzt auch Erwachsene, indem man ihre Umgebung polstert und ihnen gefährliche Sachen verbietet. Im Unterschied zum Kleinkind hat der Mensch zwar schon ein fertiges Hirn und eine Lebenserfahrung, die er benutzen könnte, aber der Staat sagt: Spar dir das für ein andermal auf, wir denken eh für dich.
Beim Rauchverbot hat das Sinn, weil der Raucher ja nicht nur sich selbst, sondern auch andere gefährdet. Wenn aber der SMSer sich die Rübe am Laternenpfahl beschädigt, ist die Verletzungsgefahr für den Laternenpfahl relativ minimal. Man schützt durch Pfahl-Wattierung also nur die Fußgänger, denen nicht mehr zuzumuten ist, ein Hindernis auf dem Bürgersteig zu erkennen und ihm rechtzeitig ausweichen.
Das Prinzip lässt sich ausweiten: Gegen Ertrinkungsgefahr sichern wir die Seen mit Netzen, gegen Fenstersturzgefahr vergittern wir alle Fenster und gegen Erfrierungsgefahr heizen wir die Straßen und Gehsteige. Ja, so wird die Welt sicher sicherer.