Doris Knecht
| 03/08
| Kurier-Kolumne
Leserin F. findet das Postamt am Westbahnhof nicht mehr. Also, sie fand es schließlich, aber es war schwierig und mit pedalem Aufwand verbunden, weil jener Aufgang, der früher von der U3 zum Postamt führte, das nicht mehr tut: man muss jetzt andernorts hinauf. Klar, der Westbahnhof wird umgebaut, da ändern sich Gegebenheiten und Wege, das weiß Frau F. schon, darum geht es ihr auch nicht.
Ihr geht es darum, dass nirgends ein Wegweiser auf diese Änderungen hinweist und man ältere Damen wie sie hilflos durch das Gängegewirr unter dem Westbahnhof schickt: auf Versuch-und-Irrtum-Abenteuer, an deren Ende dann irgendwann das Erfolgserlebnis steht, das Postamt ohne fremde Hilfe gefunden zu haben. Überhaupt findet Frau F., es werde einem zu wenig geholfen, es gebe insgesamt nicht genug Schilder und auf den Schildern einen bedauerlichen Hang zu unangebrachter Eleganz: Viele Schilderschriften seien zu fein, zu klein und kaum lesbar, beklagt Frau F., doch natürlich: schön schaue es aus. Aber ist das der Sinn eines Schilds?
Apropos schön: meine Freundin M. hat auch ein Problem mit kleiner Schrift. Die M. ist ein bissl über 40 und greift nun zu höherpreisigen Hightech-Super-Cremen, die dafür sorgen sollen, dass zart angealterte Frauen mit altmachenden Gewohnheiten nicht alt werden. Und sie findet es, sagt die M., eine Zumutung, dass ausgerechnet die Beipackzettel solcher Cremen in einer Mini-Schriftgröße gedruckt sind, die sie zum Tragen einer Lesebrille zwingt. Und nichts auf der Welt, sagt die M.,NICHTS macht dich älter als eine Lesebrille, da kannst du dir die ganzen sündteuren Bleib-Jung-Sälbchen gleich sparen. Und wo die M. Recht hat, hat sie Recht.