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| 04/08
| Falter-Kolumne
Es war auch endlich warm. Man konnte die Hosen hochkrempeln und barfuss laufen und sich einen Sonnenbrand an den Waden holen und Bienenstiche an den Fussohlen. Das Bubenmimi hat sehr geheult, es war ihr erster Bienenstich, wir schmierten dick eine wichtig aussehende Creme darauf, und das Kind erholte sich schnell. Später gingen wir zur Waldlichtung, dort standen drei Gestalten in grotesker weißer Schutzkleidung in der Sonne und sahen aus, als drehten sie ein billiges Sequel von „Outbreak“. Spooky irgendwie. Es waren aber nur der Horwath und sein Freund, der Polz und die Freundin vom Polz an Tag eins nach der Absolvierung des Imkerkurses. Der Horwath macht jetzt auch Honig; soll mir recht sein. Wir fotografierten den Horwath und den Polz und seine Freundin mit dem Handys, später fotografierte der Horwath die Kinder und ihre Papp-Medaillen und ihr Siegerlächeln. Denn sie hatten alle die 400 Meter Ersatzmarathon geschafft, die wir ihnen ausgesteckt hatten, weil wir dann doch nicht in aller Herrgottsfrüh nach Wien gefahren waren, damit die Kinder an diesem Kinderlauf teilnehmen konnten. Stattdessen fand der Kinderlauf auf einem Waldviertler Kiesweg statt, es gab wertvolle-Panini-Preise, alle waren froh. Auch die Eltern, die sich nachher wieder in den Schatten von Horwaths Sonnenschirm in Horwaths Garten setzen, Zeitungen lesen, einen Sonnenbrand auf dem Hirn kriegen, deppert reden und überlegen konnten, was man als nächstes essen soll. Es wird viel gegessen im Garten der Horwaths.
Später gab es eine kleine Krise, als der Horwath „elf“ antwortete, auf meine Frage, wie schrecklich das Ritterfest auf der zehnteiligen Schrecklichkeitsskala jetzt ehrlich gewesen sei. Elf! Wir hattens versprochen gehabt, aber ein gütiger Geist, der Lange nämlich, hatte mir die Klänge von Schalmeien und sich kreuzender Schwerter erspart. Und Bekleidung, neben der man sich freut, dass man eine elegante pestogrüne Wanderjacke tragen darf. Ich schaukelte auf der Hollywoodschaukel, während der Lange und der Horwath auf dem Burgfest den Horwath verfluchten, der seit Wochen am Spielplatz von diesem Burgfest geredet hatte, dass man dort unbedingt hin muss, und wie toll es die Kinder finden und alles. Der Horwath hatte wohl, wenngleich er normal nicht zu Kinderglücksverklärungsbedingter Bewusstseintrübung neigt, kurz verdrängt gehabt, wie arsch es die Erwachsenen finden. Jetzt weiß er es wieder.
Dafür bekam ich Sonnenbrand auf den Fußssohlen, überlegte, warum verdammt ich mir eigentlich nichts kurzärmeliges Unschwarzes eingepacken hatte können, ärgerte mich über das Zeit-Magazin (Wolfgang Joop, Chef des teuersten deutschen Modelabels, in einer Geschichte über Mahlzeiten in seiner Potsdamer Villa: „Ich erzähle oft von Zeiten des Mangels und der Improvisation.“) und ein Vogel schiss mir aufs Handy. Es war ein aber kleiner Vogel, und seine Ausscheidungen trübten mein Frühlingsglück nicht.
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| 04/08
| Kurier-Kolumne
In Heinrich Bölls Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von 1974 schmuggelt sich ein Journalist als Anstreicher verkleidet in ein Spital, um sich ein Interview mit der kranken Mutter einer Verdächtigen zu erschleichen : Nach allem, was erst vor Tagen im Zusammenhang mit geheimen Akten zum Kampusch-Fall geschehen ist, darf man vermuten, dass sich der Boulevard auch diesmal einiges einfallen lassen wird, um möglichst als erstes an die Opfer des grauenhaften Amstettner Verbrechens heranzukommen. Fotos zu zeigen. O-Töne zu bringen. Man könnte sich als Pfarrer verkleiden, als Nonne, als Ärztin, als Reinigungs- oder Sicherheitspersonal, um sich Zugang zu den Räumen zu verschaffen, in denen diese arme Frau und diese armen Kinder gerade betreut werden. Es wird versucht werden. Als Realist ist man diesbezüglich frei von Illusionen.
Es ist logisch, es ist richtig, dass über ein derart schockierendes Verbrechens ausführlich berichtet wird. Dagegen ist nichts einzuwenden: Die Leute wollen und sollen wissen, was da passiert ist. Und wie so etwas geschehen konnte: Dieses Wissen schafft ein Stück Basis dafür, dass etwas derartiges hoffentlich nicht wieder vorkommt (wenngleich man es nicht ganz verhindern kann). Aber wenn Medien vorsätzlich und, wie bei Kampusch, auf Grundlage weiterer Verbrechen das Recht auf Privatsphäre der Opfer verletzen, gehen sie entschieden zu weit.
Es gilt: Alles, was die Opfer von sich aus über sich preisgeben wollen, ist in Ordnung. Alles, was gegen ihren Willen veröffentlicht wird, alles was sie bloßstellt und ihnen weiteren Schaden zufügt, ist inakzeptabel. Das gilt auch für die Konsumenten: Wir sind alle neugierig, ja. Aber die Opfer gehören respektiert.
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| 04/08
Ein Achtjähriger wurde vergangene Woche von der Straßenbahn 31 mitgeschleift. Er hatte, weil er auf seine gestürzte Mutter wartete, den Fuß in die Tür gestellt und war eingeklemmt worden. Das ist, wie uns Verantwortliche der Wiener Linien periodisch versichern, vollkommen unmöglich und kommt, wie uns die Realität regelmäßig vorführt, trotzdem vor.
Wie derartige technische Wunder möglich werden, lässt sich in etwa erahnen, wenn man dem Bericht von Leserin Julia Z. lauscht. Die wollte letzten Dienstag vormittag an der Station Stadthalle/Burggasse mit einer Gruppe die U6 besteigen: fünf Personen und ein Sozialarbeiter, der einen Patienten im Rollstuhl schob. Der Zug fuhr ein, ziemlich voll, besonders im mittleren Bereich, und genau dort, wo die Gruppe einsteigen wollte, stieg eine ganze Schulklasse aus.
Während die das noch tat, sei schon die Bitte – nein, so Julia Z., der Befehl – „Einsteigen bitte!“ durch die Station gehallt, gefolgt von sich schließenden Türen. Zwei Schüler seien beinahe eingeklemmt worden: Beherzte Fahrgäste drückten die Tür wieder auf und winkten Richtung Fahrer, um ihm die Situation begreiflich zu machen. Der bellte erneut den Einstiegsbefehl, die Gruppe mit dem Rollstuhlfahrer winkte erneut, um zu signalisieren, dass noch nicht alle die Möglichkeit hatten, einzusteigen, die Tür schloss sich erneut und klemmte prompt den Rollstuhl ein. Der Sozialarbeiter sah sich gezwungen, die Tür aufzudrücken und zu blockieren, bis die ganze Gruppe zugestiegen war, worauf der Fahrer ohne eine weitere „Zug fährt ab“-Warnung die Türen schloss und abfuhr.
Aber rein theoretisch ist es technisch völlig unmöglich, dass Fahrgäste mitgeschleift werden.
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| 04/08
| Kurier-Kolumne
Da. Da haben wir’s. Folgendes Schreiben flatterte einem Anonymen EUROSkeptiker kürzlich in die unweit der geplanten Ring-Fanzone gelegene Anwaltskanzlei. „Sehr geehrter Dr. XY, die kommende Fußball-Europameisterschaft wird bestimmt ein spektakulärer Sportevent. Leider birgt ein solches Großereignis auch zahlreiche Risiken abseits der Sportstätten. Ausschreitungen und mutwillige Sachbeschädigungen sind nicht auszuschließen.“
Deswegen bietet der Absender, eine große österreichische Versicherung, Dr. XY eine Vandalismus-Zusatzversicherung für die Dauer der EURO an, „damit Sie den Zeitraum der Fußball-Europameisterschaft 2008 sorgenfrei genießen können“.
Da haben wir’s. Langsam machen sich die AEUS wirklich Sorgen. Das ist ja wie eine Beschwörung! Da muss ja etwas passieren, wenn die Ängste so erbarmungslos in die Bürger gestochen werden wie Nadeln in eine Voodoo-Puppe!
Natürlich ist es, alte AEUS-Rede, klug, nicht nur mit dem Besten zu rechnen: Aber wollten wir nicht positiv denken? Immer stärker materialisiert sich die Notwendig, dass wir unbedingt massenhaft sehr sehr sehr positiv denken sollten: Damit wir bei der EURO einen schönen Vorrat guter Vibrationen haben, mit denen wir das Land, die Stadt, besonders aber die Bereiche um die Fan-Zonen aufladen können.
Andererseits kann die Unterstützung von ein paar Tausend Polizisten mit freundlicher, aber konsequenter Gesinnung nicht schaden. Wir winken schon einmal ihren 850 deutschen Kollegen zu, die bei der EURO aushelfen werden. Wobei uns deren offenbare Notwendigkeit nicht wirklich beruhigt... Vielleicht doch die Versicherung? Da. Da haben wir’s.
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| 04/08
| Kurier-Kolumne
Natascha Kampusch fragte in einem ORF-Interview selbst: Was hat der Medienkonsument davon, wenn er weiß, ob sie sexuell missbraucht wurde oder nicht? Nichts hat er davon, aber: seine Neugier wird befriedigt.
Alle Medien leben von der Neugier ihrer Konsumenten. Ist ja per se nichts Negatives, die Neugier: sie ist der Treibstoff für Wissenschaft und Forschung, sie macht die Menschen klüger. Aber manchmal kommt sie als Voyeurismus daher, delektiert sich an der Bloßstellung und am Unglück anderer: der Homo Sapiens hat das in sich, und manche Medien profitieren gerne davon.
Aber es liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Lesers (und: jedes einzelnen Inserenten) zu sagen: Nicht mit mir. Ich mache da nicht mit. Ich verzichte auf diese Neugier-Befriedigung. Ich will es nicht wissen (was nicht leicht ist, wenn einem die geilen Neuigkeiten auch noch gratis aufgedrängt werden). Ich will nicht, dass Natascha Kampusch noch mehr angetan wird.
Denn Kampusch hat, nach allem, was sie erleiden musste, die Solidarität der Gesellschaft verdient: Und sie hat ein Recht auf den Schutz ihrer Privatsphäre, wie jeder andere auch, so ungewöhnlich die ihre auch gewesen sein mag. Dieses Recht wurde ihr aberkennt: von denen, die gewissenlos ihre Akten weitergaben, von skrupellosen Medien, von ihren Konsumenten.
Natascha Kampusch wurde Opfer eines grausamen Verbrechens: Nun zeigt sich, dass viele Leute keine Hemmungen haben, ihr weitere Grausamkeiten anzutun. Brutal gesagt sind diese Leute – denn die Motive gleichen sich – nicht viel besser als Wolfgang Priklopil: Kampusch wird erneut zum Opfer von Geilheit und Gier. Wir sollten das nicht tolerieren.
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| 04/08
| Kurier-Kolumne
Der W., ein Kollege von einer anderen Zeitung, verspürte kürzlich den Wunsch, ein Bild schön zu rahmen. Dieses Ziel vor Augen betrat er eine Rahmen-Handlung mit gutem Namen im 11. Bezirk, fand eine geeignete Bild-Umfassung, eilte damit zur Kassa, und wurde dort nicht um Geld, sondern erst um Registrierung seiner Daten gebeten. Der W. beäugte den Rahmen und konnte daran nichts Melde- oder Waffenscheinpflichtiges entdecken. Deshalb begehrte er den Grund für die Notwendigkeit einer Datenerfassung zu erfahren und erhielt sogleich die in Wien nicht unübliche Auskunft: Das sei eben so.
Der W. meinte, er wolle ja nur diesen Bilderrahmen erwerben. Der Kassa-Herr meinte, der Geschäftsführer meine aber, das müsse sein, worauf der Kollege zur Sachverhaltsklärung den Geschäftsführer zu sprechen wünschte. Alsbald bekam W. den Herrn ans Telefon und von diesem die Erläuterung, das stünde so in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen.
Worauf W. seiner Meinung Ausdruck verlieh, dass es sich hierbei um eigentümliche, um nicht zu sagen: sittenwidrige Geschäftsbedingungen handle, denn es sei ihm neu, dass man persönliche Daten bekannt geben muss, wenn man etwas kaufen will. Diesen sturen Standpunkt wollte der Geschäftsführer partout nicht verstehen, entweder wolle W. nun etwas kaufen oder nicht, worauf W. entschied: nicht.
Jetzt fragt sich W., ob er künftig, z.B. an Würstelständen und in öffentlichen Toiletten, nicht nur ungefragt von Kameras gefilmt wird, sondern bald auch seine persönlichen Daten registrieren lassen muss, um eine Debreziner-Erwerbs- oder Latrinenbenützungsberechtigung zu erlangen. Hell strahlt die Zukunft; gläsern und blitzblank poliert.
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| 04/08
| Falter-Kolumne
Dennoch: Wenn ich mir in diesen Tagen etwas Teures zum Anziehen kaufe, ist es eher von Jack Wolfskin als von Marc Jacobs. Obwohl mich Wolfskin ein wenig enttäuscht hat, er konnte die bestellte Superduperfunktionsjacke nicht liefern. (Der Wunsch nach einer Funktionsjacke entstand, als wir unlängst in Horwaths Wald einen Baum zersägten und aufstapelten, und jetzt krieg ich die Harzflecken nicht mehr aus meinem Donna-Karen-Mantel.) Jedenfalls nicht wie gewünscht, denn ich wollte die Funktionsjacke in Schwarz. Also, die Erhältlichkeit in Schwarz war überhaupt der Grund, warum ich mich gerade für dieses spezielle Superduperjacke entschieden habe, denn es gibt, finde ich, keinen Grund warum man auf Wald und Wiese Zechenkasbraun oder Alle-um-mich-sollen-erblinden-Farben tragen soll. Ich finde außerdem, schwarz kleidet mich und geht immer. Der Lange findet, schwarz macht mich blaß und alt. Ich finde, Schwarz kleidet alle Frauen. Es sollten viel mehr Frauen schwarz tragen. Mädchen auch.
Apropos Mädchen: man wird oft beneidet, wenn man Mädchen hat, und zwar mit Recht. (Was sich radikal ändert, wenn sie 12 werden; bis wohin ich jede Minute engagiert
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| 04/08
| Kurier-Kolumne
Die Erwachsenen hätten sich ja am Rathausplatz ja lieber länger die Fahrräder angesehen, die günstigen gebrauchten am Flohmarkt, die fantastischen Unleistbaren der Sammlung Embacher, und was da sonst noch interessantes Zweirädriges herumstand.
Aber das Kindsvolk drängte zu den riesigen Sandhaufen und den offenbar ohne Eier geborenen jungen Männern, die daran abenteuerlichste Sprünge vorzeigten. („Das war gerade ein Backflip“, informieren die Kinder.) Oder sie wollten auf dieser buckeligen Sandbahn im Kreis fahren. Oder sie wollen Würstel. Oder sie wollen dem lustigen Mann mit dem Einrad zusehen. Die Kinder lieben das Bike Festival am Rathausplatz, und es drängten sich heuer derartigen Massen, dass man sie keinen Moment aus den Augen lassen konnte.
Gut, man hat eh schon drei Räder. Das alte Mountainbike, mit dem man fast 15 Jahre lang durch die Stadt geritten ist, steht im Keller. Das neue, teure, City-Rad glänzt im Schlafzimmer, seit es Diebe einmal komplett von seinen edlen Komponenten befreit haben: Was man nicht erneut riskieren will, aber täglich treppauf und -ab tragen will man es auch nicht.
Stattdessen beradelt man die paar Kilometer zwischen Arbeit und Zuhause jetzt mit dem alten Rad der Mutter (dank Vater noch prima in Schuss) und stellt fest, dass es gegenüber dem schicken neuen enorme Vorteile hat: Man steigt ohne Stange leicht auf, ein Korb sieht darauf nicht blöd aus, erleichtert das Einkaufen aber ebenso wie der Ständer und das simple Schloss, das für die paar Minuten völlig reicht: Den schiarchen Göppel klaut eh keiner. Kann man empfehlen, wie das Radfahren überhaupt; aber das wird jetzt eh der große Trend.
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| 04/08
| Kurier-Kolumne
Wieder eine aktuelle Studie über den gesundheitlichen Zustand österreichischer Kinder und Jugendlicher, mit weiterhin alarmierendem Ergebnis, die wieder nichts bewirken wird. Diesmal das internationale „Health Behaviour in School-aged Children“-Projekt und seine Ergebnisse für Österreich, die da wären: Weniger als 50 Prozent der österreichischen Schüler fühlt sich gesund. Die Elf- bis 15jährigen verbringen zu viel Zeit vor Fernseh- und Computerschirmen (nämlich bis zu 3,3 Stunden täglich) und machen zu wenig Bewegung, bla bla bla bla bla, nichts Neues. Die Gesundheitsministerin sagt dazu... nein, eigentlich egal, was sie dazu sagt, denn dass unsere Kinder fett und faul und ungesund sind, liegt absolut nicht in ihrer Schuld. Es ist auch nicht die Schuld der Lehrer. Es ist die Schuld der Eltern und die Schuld der Gesellschaft, die es nicht viel stärker ächtet, dass Kinder Tag für Tag stundenlang vor Bildschirmen parkiert werden, wo sie Programme sehen und Spiele spielen, die ihnen nichts bringen, außer galoppierende Verdummung und immer mehr Sitzfleisch.
Es wird, wenn uns unsere Heranwachsenden etwas bedeuten, wenn wir wollen, dass sie zu fitten Erwachsenen werden, kein Weg an der sozialen Ächtung des Fernsehens und Computerspielens von Kindern vorbeiführen. Ein befreundeter Vater, der demnächst sein zweites Kind erwartet, sagte kürzlich: „Ich habe meinen ersten Sohn aus Nachlässigkeit ans Fernsehen und an den Computer verloren; bei meinem zweiten werde ich das mit aller Kraft verhindern.“ Er sollte damit nicht allein bleiben. Wir müssen die Kinder von den Bildschirmen losketten: Sonst verlieren wir sie.
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| 04/08
| Kurier-Kolumne
Die Anonymen EUROskeptiker (AEUS) sind ein wenig irritiert ob der Präzision, mit der ihre Bedenken sich zu Fakten materialisieren. Kein Wunder, dass die AEUS zwischenzeitlich relativ viel Bevölkerung repräsentieren, wo sie noch vor Wochen als muffelige Querulanten diffamiert wurden.
Zum Beispiel scheiterte nun der Plan, auch auf der Donauinsel, dem praktisch einzig dafür geeigneten Areal, eine Fan-Zone für täglich 50.000 oder mehr EURO-Fans einzurichten. Fix war das genau siebeneinhalb Wochen vor dem EURO-Start. Ich weiß von Kindergeburtstagen, die langfristiger und umsichtiger geplant wurden, erwarteter Besucheransturm: 20 oder 25 Siebenjährige.
Aber natürlich: Wie hätte man sich früher um Detailfragen wie Fan-Bereiche kümmern sollen, das internationale Großereignis EURO kam ja völlig überraschend über uns. Wir wissen ja gerade mal seit Dezember 2002 davon. Wie soll man sich in so kurzer Zeit um alles kümmern, da kann es schon passieren, dass man die diese oder jene Kleinigkeit übersieht. Etwa dass die einen oder anderen Hunderttausend die Spiele nicht im Stadion oder zuhause, sondern in Fan-Arealen sehen wollen. Und dass sich die Fan-Zone am Ring zwar für ein paar Tausend Opernfilm-Fans eignet, für X mal so viele bieraffine Fußball-Fans aber nur suboptimale Voraussetzungen mitbringt, den Verkehr behindert, Öffis lahmlegt, die Innenstadt abschneidet, usw.
Aber erstens: wir haben noch volle sieben Wochen. Zweitens: Es sind nicht einmal alle Hotels ausgebucht, vielleicht kommen gar nicht so viele. Drittens: das ist ja kein Kindergeburtstag, sondern nur eine EURO. Und viertens sind wir in Wien; des wird scho wern; irgendwie.