Doris Knecht
| 04/08
| Kurier-Kolumne
Die Vorarlberger haben die Wiener beim Radfahren degradiert, aber so: 431 Kilometer radelte der durchschnittliche Xiberger letztes Jahr im Alltag weg, 126 Kilometer der Wiener. Dass viele Wiener sich scheuen, das Rad zu benutzen, ist sogar nachvollziehbar: Der Stopp- and Go-Verkehr, die vielen Einbahnen, das unvollständige Radwegsystem, die gefährlichen Straßenbahnschienen.
Dass aber auch die Burgenländer im ganzen Jahr gerade einmal 158 Kilometer pro Kopf geschafft haben, ist, Verzeihung, beschämend und lässt sich auch nicht durch den Hinweis beschönigen, es sei halt nicht das ganze Burgenland platt wie ein Butterbrot: Vorarlberg ist das bekanntlich an keiner Stelle, und auch in Wien liegt der 7. Bezirk praktisch im Hochgebirge; der Wienerwald sowieso.
Überhaupt bin ich heute geneigt, die Wiener in Schutz zu nehmen: Denn ich würde wetten, dass sie bei den per Pedes zurückgelegten Alltagskilometern die Vorarlberger haushoch schlagen, was heißt! Alle Bundesländer vermutlich. Denn während auf dem Land die Angewohnheit beliebt ist, vor der eigenen Garage ins Auto zu springen und ihm erst am Parkplatz vor dem Arbeitsplatz, dem Supermarkt, dem Wirtshaus wieder zu entsteigen, nutzen die Wiener in großer Zahl öffentliche Verkehrsmittel. Die halten bekanntlich selten direkt vor dem Wohnhaus oder dem Zielort. Bedeutet: tägliche kleine, aber gesunde Fußmärsche, die auch seit jeher dafür sorgen, dass die New Yorker die schlanksten Amerikaner sind.
Gemeinsam haben die Wiener übrigens insgesamt 211.680000 Kilometer wegpedalt: davon können die Xiberger nur träumen. Von den Burgenländern reden wir gar nicht.