29.04.08

Das Unmögliche möglich machen

Doris Knecht | 04/08

Ein Achtjähriger wurde vergangene Woche von der Straßenbahn 31 mitgeschleift. Er hatte, weil er auf seine gestürzte Mutter wartete, den Fuß in die Tür gestellt und war eingeklemmt worden. Das ist, wie uns Verantwortliche der Wiener Linien periodisch versichern, vollkommen unmöglich und kommt, wie uns die Realität regelmäßig vorführt, trotzdem vor.
Wie derartige technische Wunder möglich  werden, lässt sich in etwa erahnen, wenn man dem Bericht von Leserin Julia Z. lauscht. Die wollte letzten  Dienstag vormittag an der Station Stadthalle/Burggasse mit einer Gruppe die  U6 besteigen: fünf Personen und ein Sozialarbeiter, der einen Patienten im Rollstuhl schob. Der Zug fuhr ein, ziemlich voll, besonders im mittleren Bereich, und genau dort, wo die Gruppe einsteigen wollte, stieg eine ganze Schulklasse aus.
Während die das noch tat, sei schon die Bitte –  nein,  so Julia Z.,  der  Befehl –  „Einsteigen bitte!“ durch die Station gehallt, gefolgt von sich schließenden Türen. Zwei Schüler seien beinahe eingeklemmt worden: Beherzte Fahrgäste drückten die Tür wieder auf und winkten Richtung Fahrer, um ihm die Situation begreiflich zu machen. Der bellte erneut den Einstiegsbefehl, die Gruppe mit dem Rollstuhlfahrer winkte erneut, um zu signalisieren, dass noch nicht alle die Möglichkeit hatten, einzusteigen, die Tür schloss sich erneut und klemmte prompt den Rollstuhl ein. Der Sozialarbeiter sah sich gezwungen, die Tür aufzudrücken und zu blockieren, bis die ganze Gruppe zugestiegen war, worauf der Fahrer ohne eine weitere „Zug fährt ab“-Warnung die Türen schloss und abfuhr.
Aber rein theoretisch ist es technisch völlig unmöglich, dass Fahrgäste mitgeschleift werden.
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