25.04.08

Geilheit und Gier

Doris Knecht | 04/08 | Kurier-Kolumne

Natascha Kampusch fragte in einem ORF-Interview selbst: Was hat der Medienkonsument davon, wenn er weiß, ob sie sexuell missbraucht wurde oder nicht? Nichts hat er davon,  aber: seine Neugier wird befriedigt.
Alle Medien leben von der Neugier ihrer Konsumenten. Ist ja per se nichts Negatives, die Neugier:  sie ist der Treibstoff für Wissenschaft und Forschung, sie macht die Menschen klüger. Aber manchmal kommt sie  als Voyeurismus daher, delektiert sich an der Bloßstellung und am Unglück anderer: der Homo Sapiens hat das in sich, und manche Medien profitieren gerne davon.
Aber es liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Lesers (und: jedes einzelnen Inserenten) zu sagen: Nicht mit mir. Ich mache da nicht mit. Ich verzichte auf diese Neugier-Befriedigung. Ich will es nicht wissen (was nicht leicht ist, wenn einem die geilen Neuigkeiten auch noch gratis aufgedrängt werden). Ich will nicht, dass Natascha Kampusch noch mehr angetan wird.
Denn Kampusch hat, nach allem, was sie erleiden musste, die Solidarität der Gesellschaft  verdient: Und sie hat ein Recht auf den Schutz ihrer Privatsphäre, wie jeder andere auch, so ungewöhnlich die ihre auch gewesen sein mag. Dieses Recht wurde ihr aberkennt: von denen, die gewissenlos ihre Akten weitergaben,  von skrupellosen Medien, von ihren Konsumenten.
Natascha Kampusch wurde Opfer eines grausamen Verbrechens: Nun zeigt sich, dass viele Leute  keine Hemmungen haben, ihr weitere Grausamkeiten anzutun. Brutal gesagt sind diese Leute – denn die Motive gleichen sich – nicht viel besser als Wolfgang Priklopil: Kampusch wird erneut zum Opfer von Geilheit und Gier. Wir sollten das nicht tolerieren.


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» 25.04.08 16:23

Ich glaube nicht, dass die Neugierde befriedigt ist, wenn der Medienkonsument ein paar Häppchen mehr zu schlucken bekommt. Es sind nie genug Häppchen.
Wir wollen mehr mehr mehr. Alles wissen, und wenns nichts zu wissen gibt, erfinden wir eben dazu. Egal.

Sonst bin ich völlig Ihrer Meinung. Ja, sie hat unsere Solidarität verdient und sie hat es verdient, dass (wenigstens?) wir uns zurückhalten und nicht über sie herfallen.

Denn nicht wir haben das Recht auf lückenlose Information - sie hat das Recht auf endlich in Ruhe gelassen zu werden. Und ja, sollte der Fall nicht abgeschlossen sein: klärt ihn auf! Natürlich! Aber nicht in der Zeitung sondern vor Gericht.

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