Doris Knecht
| 04/08
| Kurier-Kolumne
Die Oma hat immer gesagt, dass es gar nicht möglich ist, dass Flugzeuge fliegen können, weil sie schwerer sind als Luft: Da, schau, die Zeitschrift fliegt auch nicht. Die Oma hat gesagt, sie bleibt lieber am Boden. Aber jetzt hat die Oma hat bei einem Preisausschreiben einen Flug gewonnen, und ist, entgegen ihrer Lebensplanung, zum ersten Mal geflogen. Sie war ja auf einen ganz anderen Preis aus: aber eine wie die Oma lehnt nichts ab, was sie gratis kriegt. (Außer natürlich, sie kriegt‘s von mir).
Als ich sie am Flughafen abhole, sagt die Oma, nein, gefürchtet hat sie sich eigentlich nicht, nur beim Landen sei ihr fast schlecht geworden: eine Gewohnheit werde die Fliegerei gewiss nicht.
Weil die Oma auf anderes konzentriert war – die schöne Landschaft unter ihr, die beunruhigende Tatsache, von nichts als Luft umgeben zu sein – wäre es ihr wahrscheinlich egal gewesen, wenn neben und hinter und vor ihr wer ins Handy gesprochen hätte. Die Oma selbst hätte, selbst wenn es schon wieder erlaubt gewesen wäre, nie im Leben telefoniert. Sie telefoniert auch nicht im Zug oder auf der Straße oder im Geschäft. Sie will niemanden mit ihren Privatgesprächen stören; das ist ein schöner, wenngleich für ihre Familie mitunter schwieriger Zug an der Oma. (Hast du die Oma angerufen? Ich versuch’s seit Tagen: erwische sie nie.)
Das Flugzeug war fast das letzte Testlabor, in dem der Beweis erbracht werden konnte, dass es Menschen möglich ist, mehrere Stunden ohne Handy zu überleben. Dass dieses Leo völliger Klingelton- und HÖRSTUMICH?!?-Freiheit nun abgeschafft werden und das Benutzen von Handys in Fliegern bald wieder erlaubt sein soll, ist schade. Der Oma aber egal: und zurück fährt sie eh mit dem Zug.