23.04.08

Kampf der Geschlechter

Doris Knecht | 04/08 | Falter-Kolumne | Frauen / Männer | Kinder und andere Mitbewohner

Dennoch: Wenn ich mir in diesen Tagen etwas Teures zum Anziehen kaufe, ist es eher  von Jack Wolfskin als von Marc Jacobs. Obwohl mich Wolfskin ein wenig enttäuscht hat, er konnte die bestellte Superduperfunktionsjacke nicht liefern. (Der Wunsch nach einer Funktionsjacke entstand, als wir unlängst in Horwaths Wald einen Baum zersägten und aufstapelten, und jetzt krieg ich die Harzflecken nicht mehr aus meinem Donna-Karen-Mantel.) Jedenfalls nicht wie gewünscht, denn ich wollte die Funktionsjacke in Schwarz. Also, die Erhältlichkeit in Schwarz war überhaupt der Grund, warum ich mich gerade für dieses spezielle Superduperjacke entschieden habe, denn es gibt, finde ich, keinen Grund warum man auf Wald und Wiese Zechenkasbraun oder Alle-um-mich-sollen-erblinden-Farben tragen soll. Ich finde außerdem, schwarz kleidet mich und geht immer. Der Lange findet, schwarz macht mich blaß und alt. Ich finde, Schwarz kleidet alle Frauen. Es sollten viel mehr Frauen schwarz tragen. Mädchen auch.
  Apropos Mädchen: man wird oft beneidet, wenn man Mädchen hat, und zwar mit Recht. (Was sich radikal ändert, wenn sie 12 werden; bis wohin ich jede Minute engagiert auszukosten gedenke.) Am Sonntag z. B. kann ich der Breußin schon vor dem Ende des ersten Durchgangs des Dirtjump-Contests am Rathausplatz berichten, dass wir, WIR nämlich, jetzt heimgehen dürfen. Die Breußin schaut neidisch, denn sie hatte zu Gunsten des kleinen Breuß tags zuvor sechs Stunden am Rathausplatz abgebüßt und wird jetzt wieder sechs Stunden abbüßen, denn der kleine Breuß hat Testosteron und Durchhaltevermögen und ist ein fantastischer und fanatischer Pedalist, der praktisch ohne einen Keucher von hier bis hinauf auf den Wilhelminenberg radelt und ganz bestimmt keine Minute von diesem Bike-Event versäumt, außer es wird ihm mit einem echten Baby-Hund oder einem dreiwöchigen Abenteuerurlaub mit Dirtjumpchamp Benny Korthaus vergolten, beides steht für die Breußes nicht zur Debatte.
   Die Breuß wird sich hier also einen kleinen Sonnenbrand und einen befristeten Hass auf alles mit Testosteron holen, während wir jetzt heim dürfen, weil Mädchen, selbst Bubenmädchen, lieber basteln und malen und spielen und sich lustig verkleiden, als auf Sandpisten endlos im Kreis zu fahren oder den Bennys und Atzes dabei zuzusehen, wie sie sich zum 34. Mal in den gleichen Tailwip über dem gleichen Dreckhaufen werfen. 33 Mal ist es toll. Danach wird die Bastelschere zu einer uregeilen Alternative.
   Aber es macht mir ein wenig Sorgen, dass nicht nur die Unterschiede, sondern auch die Gräben zwischen den Geschlechtern schon im Kindesgarten manifest und riesengroß sind. Mädchen sind zickig, Buben sind grob, Mädchen machen sich mit ausgrenzendem Psychoterror alle, Buben mit der Faust. Buben spielen nicht mit Mädchen, Mädchen spielen nicht mit Buben, und das Bubenmimi, in seiner sturen Zweigeschlechtlichkeit, ist das einzige Kindergartenkind, das zwischen den Genderlagern pendelt, von denen es zwar gleichermaßen für bisschen meschugge gehalten, aber auch als eine(r) der ihren akzeptiert wird. Übrigens trägt es, wie auch das andere Mimi, gern schwarz, während seine Mutter demnächst mit einer pestogrünen Superduperjacke durch den Wald hoppeln wird, himmelherrgottsack.
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