08.04.08

Post ins Jenseits

Doris Knecht | 04/08 | Kurier-Kolumne

Im Jahr 1999 starb Frau G.s Ehemann, ein  Anwalt, und sie, als Gattin und Mitarbeiterin seiner Kanzlei, füllte mit dem Umschreiben lassen und Kündigen von Verträgen  zwei Korrespondenzordner. Hartnäckige Fälle retournierte sie mit dem Vermerk „Adressat verstorben“, aber auch nach Jahren erhielt ihr toter Mann immer noch mehr Post als Frau G. selbst. Unter anderem eine folgendermaßen adressierte Einladung:
Herrn Dr. M. G.
Rechtsanwalt
Verstorben
Dingsgasse 10
 1040 Wien
Im Schreiben selbst wurde die Freude über das mögliche Erscheinen von Dr. G. zu einem Vortrag zum Ausdruck gebracht. Frau G. rief daraufhin erzürnt beim Absender an, der ihr mitteilte, der Computer erkenne den Zusatz „Verstorben“ eben nicht und verschicke deshalb weiterhin Post an den gespeicherten Adressaten.
Die Geschichte mailte mir Frau G. nach der Lektüre des hier geschilderten Ärgers, den der Kabarettist Werner Schneyder mit der GIS hatte: die schickte auch nach fast vier Jahren noch Post an seine verstorbene Frau, was Schneyder telefonisch  ändern wollte, was misslang. Die Geschäftsführung der GIS hat sich mittlerweile bei Schneyder höflich entschuldigt, und betont, dass eine telefonische Änderung sehr wohl möglich sei.
Diesen Eindruck hatte der Schneyder aber nicht; ebenso wenig wie Herr K.: Von dessen Mutter wurde vor eineinhalb Jahren eine Sterbeurkunde des Vaters verlangt, ebenso 2003  von Frau Sch. nach dem Ableben ihres Gatten. Frau B. wiederum berichtet, dass  seit  Jahren die Rundfunkgebühren vom Konto ihrer Mutter abgebucht werden. Vor zwei Wochen bekam aber auch ihr Vater wieder einmal Post von der  GIS. Leider  ist seit 28 Jahren tot.
 
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