Doris Knecht
| 04/08
| Kurier-Kolumne
Dinge, die einst als un- oder widernatürlich galten: Die Eisenbahn. Das Frauenwahlrecht. Babywickelnde Väter. Kabelloses Telefonieren. Haarefärben. Invitro-Fertilisation. Schönheitsoperationen. Homosexualität. Eingetragene Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare.
Aktueller Wiglwogl, vor allem innerhalb der ÖVP: schwule und lesbische Paare am Standesamt – widernatürlich oder Gewohnheitssache?
Fragen wir so: Was haben wir zu befürchten? Welche unserer Werte werden davon bedroht, dass sich zwei Menschen in einer feierlichen Zeremonie am Standesamt Liebe, Treue und gegenseitige Verantwortlichkeit versprechen? Auch innerhalb der ÖVP setzt sich allmählich die Einsicht durch, dass der Staat sich lächerlich macht, wenn er liebenden, zur Legalisierung ihrer Partnerschaft entschlossenen Paaren das Standesamt versperrt, nur weil diese Paare gleichen Geschlechts sind. Mehr als das: Es wäre eine vorsätzliche Diskriminierung von Homosexuellen, also eine Verletzung von Gleichheitsgrundsätzen, also Unrecht. Also auf Dauer nicht haltbar.
Klar: Es war für die ÖVP ein großer, schwieriger Schritt, sich überhaupt auf eine Anerkennung der Homosexuellen-Ehe einzulassen. Man hat diesen Schritt mutig gewagt, droht sich jetzt aber mittendrin zu verkrampfen: Ein Fuß ist schon nach vorne gesetzt, während der andere hinten stur in gewohnter Position verharrt. Wie sieht das denn aus. So sieht das aus: Wir machen es, wollen es aber nur bedingt, deshalb machen wir es nur halb.
Da hilft nur eins: Locker machen. Durchatmen. Krampf lösen. Den ganzen Schritt tun. Denn man wird sich daran gewöhnen, garantiert.