Doris Knecht
| 05/08
| Kurier-Kolumne
Am Anfang dachte ich, es sei eine gute Idee. Ich dachte, wenn ich den Kindern jeden Abend als Belohnung fürs Aufräumen ihres Zimmers ein Panini-Packerl schenke, ist es bei uns daheim um nur 1,20 Euro pro Tag unvorstellbar viel aufgeräumter; ich dachte: das ist es wert. Und es ist auch viel aufgeräumter: Also jetzt mal das Kinderzimmer.
Dafür ist jetzt mein Alltag mit Fußball versaut: In der Früh jauchzen mir die Kinder Namen tschechischer und griechischer Stürmer in mein müdes Ohr, sie zählen ununterbrochen ihre Schätze, sie kriegen Wutanfälle, wenn in ihrem Packerl die falschen Köpfe sind. Sie sind tagelang sauer, wenn das andere Kind ein Glitzer-Pickerl ergattert und sie nicht.
Am Anfang dachte ich, das mit den Panini-Pickerl sei eine gute Idee. Jetzt nicht mehr.
Ich hatte nämlich auch gedacht, dass die Kinder zügig das Interesse an der Sache verlieren würden: wird doch fad, diese Kleberei. Mittlerweile habe ich, warten Sie mal, ungefähr 54 Euro für Fußballer-Gesichter ausgegeben, und ihr Interesse ist vom Erlahmen weiter entfernt denn je. Tatsächlichen wurden jetzt auch noch eigene Alben für die Lieblingskuscheltiere gebastelt, die kriegen jetzt auch immer eins ab: Was die Zeit, bis die vermaledeiten Kinder-Alben endlich voll,sind weiter verlängert.
Immerhin, es ist bei uns nicht so schlimm wie in anderen Familien: Dem Roland fehlen nur noch fünf Pickerl!, vermeldeten die Kinder kürzlich neidvoll, nur fünf!!!!, was mich zur Frage veranlasste, wer denn der Roland sei . Ja, der Papa vom Sammi. Aha!
So schlimm ist es bei uns also gar nicht. Andere sind viel schlimmer dran. Zum Beispiel die Mami vom Sammi.
Spaßig, deutsche Schulen verbieten Panini-Bildchen-Tausch, in den coolsten Wiener Kinderstuben wird das elterlich gefördert. Klagen Sie nicht über die doppelt- und dreifachen Alben, seien Sie froh, dass die Sticker darin landen, sonst finden Sie vermutlich 2024 noch das Konterfei von Michael Ballack auf irgendeinem Möbelstück (und klebt und klebt und geht nicht ab...)