28.05.08

Nein, nein und nochmal nein

Doris Knecht | 05/08 | Kurier-Kolumne

Ist ja nicht so, dass man sich über Österreich nicht freuen kann: Ein schönes Land haben wir da. Braucht man nicht verstecken, das Land. Kann man sich ruhig darüber freuen.
Dass man seiner Freude jetzt unbedingt durch automobile Radikalbeflaggung Ausdruck verleihen muss, begeistert  mich minder.  Die Kinder wollen wissen, warum gerade so viele Autos mit rot-weiß-rotem Fähnchen links und rot-weiß-rotem Fähnchen rechts herumfahren, und ich kann’s ihnen nicht logisch erklären. Ich habe es  versucht mit: Weil sie so stolz darauf sind, Österreicher zu sein, was die Kinder nicht verstanden haben. Und wegen der Europameisterschaft; was die Kinder auch nicht verstanden haben, denn seit sie Paninis sammeln, sind sie über die Leistungen der österreichischen Nationalmannschaft  informiert.
Dennoch wollen die Kinder, dass wir unser Auto sofort auch beflaggen, aber bitte mit  italienischen, deutschen oder kroatischen Fähnchen. Erstens, nein, zweitens: nein, nein und nochmal nein.  Was die Kinder nicht verstehen, wo es ja jetzt so viele machen. Sieht doch lustig aus!
Genau das stärkt meinen Verdacht, dass es sich bei der Automobil-Beflaggung  gar nicht um einen Akt des Patriotismus handelt: Sondern um einen Ausdruck der Sehnsucht nach anlassbedingter Re-Infantilisierung. (Vgl. dazu: die  Panini-Klebsucht, die ja gerade auch unter Erwachsenen beiderlei Geschlechts übel grassiert.) Es geht beim Flaggezeigen  vermutlich weniger um den Stolz aufs eigene Land, sondern vielmehr um den Stolz auf den eigenen Mut zur temporären Verspieltheit: Schaut, ich fahre zwar einen Ich-habs-zu-was-gebracht-SUV, bin im Herzen aber trotzdem Bub geblieben. Jö! Lieb. Das freut uns natürlich auch.
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