Doris Knecht
| 05/08
| Falter-Kolumne
| Frauen / Männer
| Kinder und andere Mitbewohner
| Kunst & Kultur
Als gute Idee hat es sich erwiesen, Buben in Mädchengruppen zu isolieren: Testosteron scheint sich zu potenzieren, wenn es auf anderes Testosteron trifft, neutralsiert sich allerdings ganz und gar, wenn man es isoliert. Buben allein unter Mädchen entwickeln mit einem Mal Fähigkeiten, die sogar ihre eigenen Mütter zu überraschen vermögen: Mädchen sind plötzlich auch respektable Spielkameraden, Scheren werden zu harmlosen Werkzeugen, mit denen putzige Figuren ausgeschnitten werden, ja selbst Puppenhäuser werden zu Spielzeugen, wenn weder Hohn noch Spott noch lebenslängliche Ächtung von Geschlechtsgenossen zu befürchten ist. Aber kaum tut man einen zweiten Buben dazu, gibt es strikte Geschlechtersegregation, denn kein Bub, der auf sich hält, beschäftigt sich mit Mädchen, wenn richtige Menschen in der Nähe sind. Man kann gegen Testosteron - Bubenmütter versuchen es ständig – nicht argumentieren.
Ich behaupte aber keineswegs, Mädchen seien das bessere Geschlecht. Das sind sie, meinerseel, nicht. Die Kindergartenmädchen haben sich kürzlich, als es hieß, zwei Gruppen bilden (nicht: zwei geschlechtshomogene Gruppen bilden) gegen alle Argumente der Kindergärtnerin zusammengetan, um es den Buben mal so richtig zu zeigen und stanken daraufhin beim Klobürstenhockey mit 1:7 oder so völlig ab. Worauf es sich die Mädchen, alles Töchter emanzipierter, berufstätiger Frauen, sofort in der Opferrolle bequem machten: sie seien nun mal die schwächeren und nicht so brutal, und woher sie denn auch Klobürstenhockeyspiel können sollten?, und überhaupt seien die Buben so gemein, buhuhu. Woher haben die das? Ist das biologisch?
Dafür sind Mädchen nicht so anfällig für elektronische Infektionen. Der achtjährige Intelligenzbolzen von Freunden stand kürzlich, weil seine Eltern ihn lieber nicht mit zu IKEA nehmen wollten, mitten in einem Zimmer voller Spielzeug, auch bubenkompatiblem, und näselte völlig gelangweilt die Worte: Habt ihr auch irgendwelche Computer? Nicht für dich, Rotznase. Er entschied sich dann, mit dem Bubenmimi zwei Stunden lang einen Wasserball durch den Flur zu kicken; auch schön, ok. (Ich wäre eh mit ihnen in den nächsten Käfig gegangen, aber es wurden Gäste erwartet, und ich hegte den Wunsch, die Vorbereitungen diesmal rechtzeitig abzuschließen: Wie wir letztes Mal das Essen für Haemmerli gaben, erschien Haemmerli, als ich gerade noch die Servietten bügelte. Nie wieder möchte ich so angesehen werden.) Das war noch bevor das Panini-Fieber ausbrach, denn seither kann man die Kinder, Buben wie Mädchen, wunderbar damit beschäftigen, dass sie ihre Panini-Alben vergleichen und Pickerl einpicken. (Und die Mütter damit, dass sie, während sie längst woanders sein sollten, den Altpapier-Container im Hof durchwühlen, weil eins dieser Alben verschwunden ist.)
Dafür ist jetzt jeden Abend das Kinderzimmer picobello aufgeräumt. Käuflich sind sie alle, unabhängig vom Geschlecht.