Doris Knecht
| 05/08
| Kurier-Kolumne
Man könnte doch den ganzen Prater als Paket an ein internationales Konsortium verkaufen oder vermieten. Und Schönbrunn. Und den Stephansdom. Und vielleicht den gesamten Heldenplatz, so sehr stört das doch gar nicht, wenn der Südturm in den Farben einer Bank angepinselt wird oder auf dem Heldentor der Schriftzug eines Finanzoptimierers prangt. Daran gewöhnt man sich schnell. Und dass Schönbrunn gelb sein muss, steht bitte keineswegs in der Verfassung.
Und das Riesenrad gehört Wien ja eh schon jetzt nicht. Es gehört Niederösterreichern, Enkeln des Rechtsanwalts Karl Lamac, der 1961 die Riesenrad-Anteile erwarb: Die Stadt Wien, der es angeboten worden waren, wollte das Riesenrad nicht. Und es hat ja dann ohne sie ganz prächtig funktioniert.
Nun wollen die Besitzer des Londoner Wachsfigurenkabinetts Madame Tussauds das Riesenrad mieten und ein 2500 Quadratmeter großes Museum (vielleicht in Form des Buckingham-Palastes!) am Vorplatz errichten. Die Stadt Wien schaut wieder zu.
Wobei das vielleicht eh besser ist. Denn was unter der Ägide von Vize-Bürgermeisterin Grete Laska eben erst auf dem Prater-Vorplatz angerichtet wurde – die Verdoppelung von Schönbrunn mit Mitteln des Pappmaché – wäre auch von noch so schlechtem ausländischen Geschmack nur schwer zu überbieten: Wien ist Sissi; und Sissis wollen wir für immer bleiben. Wir sind Alt Wien, Nostalgie-Wien, Fiaker-Wien; soll kein Tourist auf die Idee kommen, es gäbe Wien auch in modern.
Aber wir waren beim Ausverkauf. Und wir hätten da noch ein Rathaus im Angebot: Das würde sich in Shell-Rotgelb oder Cola-Rot doch gar nicht schlecht machen, don‘t you think so?