24.06.08

der Finger heilt die Wunde nicht

Doris Knecht | 06/08 | Kurier-Kolumne

Man macht sich als Feministin unter Feministinnen nicht unbedingt Freundinnen, wenn man das Frauenministerium als solches in Frage stellt.  Unsolidarisch! Das soll ja den benachteiligten Frauen helfen. Da muss man dafürsein.
Und ja, am Anfang war das Frauenministerium nicht nur ein wichtiges Symbol, es hatte auch eine Funktion:  die Situation der Frauen zu verbessern. Bloß zeigte sich in 17 Jahren deutlich, dass es das nicht kann.
Oder nur äußerst beschränkt: mit kaum Budget und praktisch keiner Veränderungskompetenz. Die Bilanz der tatsächlichen Leistung ist schon lange mager; man darf vor allem wünschen und informieren. Nationalratspräsidentin und Ex-Frauenministerin Barbara Prammer sagte am Samstag im KURIER: „Es muss immer jemand den Finger auf die Wunde legen.“ Bloß wird eine Wunde davon bekanntlich nicht heil,  im Gegenteil.
Recht hat Prammer, wenn sie streng sanktionierte  Quoten  fordert: Das ist, internationale Beispiele beweisen es, das einzige, das an der Situation der Frauen, beim Einkommen und bei der Verantwortungspartizipation, etwas ändert. Unterbudgetierte Frauenministerien nicht.
Sinnvoller wären gut vernetzte Frauenreferate mit gemeinsamer Öffentlichkeitsarbeit in jedem einzelnen Ministerium, ausgestattet mit der Kompetenz, die Situation der Frauen im jeweiligen Bereich – sei das Wirtschaft oder Justiz, Gesundheit oder Bildung – zu konkret zu verbessern: inkl. Quotenüberwachung.
Tatsache ist: Wir haben seit 17 Jahre ein Frauenministerium, und die Männer-Frauen-Einkommensschere (und wer das Geld hat, hat die Macht und die Wertschätzung) wird jedes Jahr größer.  Allein das zeigt, dass es irgendwie nichts bringt.
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