20.06.08

General-Almöhisierung

Doris Knecht | 06/08 | Kurier-Kolumne

Bei der Jugend- und Berufsjugendfraktion, Abt. Kreativwirtschaft & Pop, bemerkt man sie schon länger: Die Rückkehr des Barts ins Männergesicht. Und nicht der originelle Klobrillen-Wikinger-, Ziegen-, oder Kaiser-Franz-Josef-Bart, der seinen Träger als, hallllooo!, verwegenen Frechdachs ausweisen soll. Sondern das ganz konventionelle, rebellionsfreie Modell Molterer: vollflächig, in gepflegter zehn- bis 20-Tagelänge und gerade soweit ausrasiert, dass es zwischen Gesichts- und Brustbehaarung, zwischen Backen- und Brauenbewuchs noch apere Stellen gibt, die den Träger zuverlässig als Homo Sapiens ausweisen.
Wobei Ausreißer ins Franzfischerlische durchaus gängig sind; denn die Gesichtshecken-Devise der Saison lautet scheints: lieber mehr als weniger. Und was soll man sagen: Den meisten gereicht der Trend zur Natur-Vemummung durchaus zum Vorteil.
Jetzt, wo sogar schon deutsche Format-Fußballer wie Christoph Metzelder den Visagenteppich bei der EURO tragen, ist allerdings zu befürchten, dass aus dem modischen Alternativphänomen flugs eine Massenbewegung wird. Bald werden auch Kienast, Assinger und Gusenbauer einen tragen, und wir stehen – lesen Sie ihre Lippen,  solange man sie noch sieht, – kurz vor der totalen Alpöhisierung der männlichen Gesellschaft.
Das ist a) in Ordnung: denn weniger  Haut ist meistens gut. B)  aber bedauerlich, denn wenn jetzt alle, auch die „Supernanny“-Väter   Vollbärte tragen, während sie ihre kleinen Marvins und Chiaras zur  Schnecke machen, werden sich all die lässigen Kerle, die jetzt so nonchalant den Gesichtsbiber spazierenführen, diesen wohlunverzüglich abrasieren. Nicht! Wär’ schade darum.
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