Die Schweizer haben in Wien ihr eigenes Public-Viewing-Areal eingerichtet: Dort, wo sich sonst die Herrmann-Bar befindet. Und dort, wo man sonst in die Herrmann-Bar abgeht, bei der Urania, betritt man jetzt den Swiss Beach: wenn man eine VIP ist. Wenn man keine VIP ist, wird man von freundlichen, körperlich gut definierten Herren darüber informiert, dass man da 300 Meter durch den 3. Bezirk und da hinüber und dann am Kanal entlang wieder zurück gehen müsse, da sei dann der Eingang. Aha.
Ich sperre mein Rad wieder auf, suche mir einen Weg durch Baustellen und über Gehwege und erreiche via Hundertwasserhaus schließlich mein Ziel: mea culpa, ich habe eine Unterführung übersehen. Am Eingang erklären mir freundliche, schön definierte Herren, dass ich mein Rad mindestens 30 Meter entfernt abstellen müsse; Sicherheitsgründe. Meine Tasche wird durchsucht und durch einen impostanten Sperrgitter-Slalom gelange ich endlich an die Swiss Beach, wo sich zu Match-Beginn gerade einmal ein paar Dutzend Besucher eingefunden haben, was mich nicht wundert.
Es ist sehr rot am Swiss Beach, und die Eidgenossen haben sich ein ausgefuchstes gastronomisches Konzept überlegt: Es gibt typisch österreichische Köstlichkeiten („Käsenockerl mit Röstzwiebeln“ und „Hühnerbruststreifen“, fertig) und typisch schweizerische, darunter, kein Witz, „Zürcher Rösti vom Huhn“.
Beim Rückweg sehe ich, dass ich mit dem Rad eh hätte bei der Urania hinunterfahren dürfen: Weil es den Schweizern zwar gelungen ist, den Gehweg für Not Important Persons sperren zu lassen, leider aber nicht den Radweg. Dafür muss ich schieben; Sicherheitsgründe. Eh. Servus in Wien, liebe Schweizer!