Doris Knecht
| 06/08
| Kurier-Kolumne
Am letzten Tag am Land fuhren wir, Freundinnen und Kinder, mit den Rädern den Bach entlang, fanden einen schattigen Platz und duschten uns unterm Wasserfall die Hitze aus den Köpfen. Als wir unsere Räder wieder hinauf zum Weg schoben, hatte sich am Ufer ein gutes Dutzend Türkinnen um einen großen Grill eingefunden, mit einer Steige voller Hühnerteile, einem Berg Fleischlaberl und Schüsseln voller Salat.
Bevor wir auch nur äh sagen konnten, hatten wir alle riesige mit fantastisch gewürzten Sachen gefüllte Weißbrotteile in der Hand: tatsächlich einfach so. Es war überraschend und rührend und saugut. Und wenn wir nicht schon etwas in Eile gewesen wären, hätten wir uns vielleicht dazu gesetzt und mit den Frauen geplaudert: aber ich glaube, außer der Dame am Grill und den jungen, offenbar hier geborenen Frauen hätten wir uns eh nicht wirklich unterhalten können.
Später hörte ich in den Nachrichten, dass von Einwanderern jetzt Sprachkenntnisse verlangt werden, und fand es richtig. Nicht aus einem Die-sollen-sich-gefälligst-integrieren-und-anpassen-Impuls heraus, sondern, weil es in erster Linie gut für die Einwander ist. Die beliebten Auswandererdokusoaps zeigen schön, was passiert, wenn Deutsche und Österreich in Länder siedeln, deren Sprache sie nicht beherrschen: Meistens kommen sie bald zurück, weil sie keine qualifizierte Arbeit finden und keinen Anschluss.
Natürlich man auch einfach hierher ziehen, hier wohnen, Kinder versorgen, toll kochen und dahergelaufene Einheimische zu herrlichem Essen einladen, ohne je Deutsch zu lernen: Aber die Möglichkeiten erweitern sich enorm, wenn man es kann. Und mehr Möglichkeiten sind immer besser als keine.