Doris Knecht
| 06/08
Die Frage ist, ob das nach der EURO wieder aufhört, oder ob die Fussballnarrischheit des Kindes ein chronischer, unheilbarer Virus ist. Das Virus traf auf offenbar bereits entzündetes Terrain und hat sich jetzt fest im Kind eingenistet. Die Hoffnung lebt, dass es zumindest wieder besser wird, wenn das Finalspiel Geschichte ist. (Das Kind hält, nachdem es die Portugiesen bitter enttäuscht haben, jetzt zu Spanien: Am gernsten hat es die Davide Silva und Villa. Und den Torhüter natürlich.)
Ich hege überdies die Zuversicht, dass die Symptome abklingen, wenn das Panini-Album endlich voll ist: 24 fehlen nur noch, von 535; der Weg ist, wenngleich noch steil und steinig, nicht mehr lang.
Ins Kent am Brunnenmarkt nehme ich das Kind morgen lieber nicht mit. Das Kind wird jammern, da es das Kent kennt und mag, weil wir dort nach dem Einkaufen manchmal essen gehen, und es gibt dort zum Hühnerspieß Pommes Frites. Aber zu einem EM-Spiel der Türkei gegen Deutschland... nein. Ich war einmal mit zwei Freunden im Kent, während am Großbildfernseher über der Bar Fenerbace gegen Rapid spielte und war dann nicht unfroh, dass Fenerbace gewann; persönliche Vorlieben hin oder her. Das Kind hat eine unheilvolle Neigung, lauthals zu den Deutschen zu halten , wenn keine Portugiesen und Spanier spielen, und das kommt morgen im Kent vermutlich nicht so gut an. Aber die Deutschen haben doch so tolle Stürmer,!, sagt das Kind.
Und woher hat es das? Von mir nicht. Sondern von dem Virus und aus dem verflixten Panini-Heftl und den Gesprächen, die es beim Tauschen führt: Der Ballaaaak, juhuuu! Marantjosef. 24 noch. Und sechs Tage: Heile, heile Segen; bald tut's nimmer weh.