06.06.08

Im Quarantäne-Sperrbezirk

Doris Knecht | 06/08 | Kurier-Kolumne

Es ist merkwürdig, wie die EURO-Fanzone die Stadt verändert: Man identifiziert das Ring-nahe Wien derzeit kaum als Wien. Denn wenn man mit einem Mal selbst vor diesen  meterhohen Drahtzäunen strandet, über die so viel gesprochen wird, wirken sie fast gespenstisch: Sie zerstören vertraute Blickwinkel, schneiden gewohnte Wege ab,  verändern   Absichten. Und sie suggerieren einen Ausnahmezustand, der, verstärkt durch die Polizeipräsenz, im Moment noch sehr wenig nach Fußball-Party aussieht und sehr nach Quarantäne-Sperrbezirk. (Was für viele Wiener aber eh gleichbedeutend ist.)
Man muss gar nicht gegen die EURO oder ein militant traditionssüchtiger Snob  sein, um das nicht schön zu finden. Dabei ist keineswegs so, dass der Ring nur schön ist, wenn er von Autos und Fiakern befahren wird: Nein, der Ring ist besonders schön, wenn er für den 1. Mai gesperrt ist, für die Regenbogenparade oder für das internationale Blasmusiktreffen. Aber jetzt, wo die Zäune mit Werbetransparenten blickdicht gemacht werden und Zelte, Mobilklos und Großbildschirme aufgestellt sind, sieht der Ring aus wie das Gelände eines Mega-Open-Air-Festivals.
Andererseits: Das kommt wieder weg. Das ist nur für ein paar Wochen. Und deshalb braucht man sich jetzt auch nicht so blasiert von der Europameisterschaft abzugrenzen wie etwa das Museumsquartier, das sich hermetisch gegen die EURO und ihre Fans abriegelt.  (Dabei werden, wie man hört, aus dem MQ auch  ohne EURO jeden Tag containerweise Flaschen und Müll abtransportiert. Auch Kunstfans schmutzen.)
Wir sind jetzt nun mal in EURO-Quarantäne. Und selbst die Anonymen EUROskeptiker raten: Das Beste daraus machen. Geht ja vorbei.
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