Doris Knecht
| 06/08
| Kurier-Kolumne
Unmittelbar egoistischen Gründe lassen mich meine Meinung, dass mehr Wiener aufs Rad umsteigen sollen, etwas revidieren. Denn je mehr Wiener im Alltag radfahren, desto deutlicher wird, dass Wien an sehr vielen, sehr zentralen Stellen für mehr Radfahrer überhaupt nicht gerüstet ist. Es ist jetzt schon eng auf den Radstreifen, und jeder neue Radfahrer bremst die bisherigen Radfahrer teilweise gefährlich ein: Aber die Schnelligkeit ist, neben Gesundheits- und Energiespar-Aspekten, nun mal einer der wichtigsten Gründe für das Rad.
Nun finden sich aber halt auch unter den Radlern viele Sonntagsfahrer, was man allerdings nicht so sehr den Sonntagsfahrern vorwerfen kann, als, siehe Margaretenstraße, siehe Ring, siehe Praterstraße, den Verkehrsplanern, die viel zu schmale, gewundene Radstreifen erfinden. Zum Beispiel jenem, der sich den Radweg entlang der Zweierlinie ausgedacht hat. Dort fädelt sich ein Zniachtl von einem Radstreiferl zwischen Fahrbahnrand und Blumenbeeten um Strommasten herum, und wenn vorne einer dahinschneckt, sind dahinter Dutzende zum Stau-Kriechen gezwungen – oder zu riskanten Überholmanövern via Autofahrbahn oder Gehsteig. Wie viele Verkehrsplaner in Wien fahren eigentlich selbst regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit? Würde man gerne einmal wissen.
Was der VCÖ weiß: Bis zum Jahr 2020 werde der Radverkehrsanteil österreichweit von 6,5 auf 13 Prozent steigen. Wenn auch Wien sich dieser Zahl annähern möchte, wird man noch sehr viel Radweg-Infrastruktur schaffen und erneuern müssen. Unter den jetzigen Voraussetzungen machen mehr Radler das Radfahren in Wien einfach zu gefährlich.