19.06.08

Sportliche Exhibitionisten

Doris Knecht | 06/08 | Kurier-Kolumne

Der Verkehr ist, – baba Cordoba, grüßgott Energiekrise – ein Thema und wird eins bleiben. Alte Fragen stellen sich, neue Antworten werden notwendig: Muss ich  unbedingt da hin? Wie komme ich dort hin? Was kostet das die Umwelt? Was kostet das mich? 
Bei der Personen- und Kleinwarenbeförderung auf kurzen Strecken gibt es eine schon länger bekannte Alternative zum PKW, die, da fährt der SUV drüber, in nächster Zeit einen gewaltigen Bedeutungsschub erfahren wird. Ja, das Fahrrad. Und, richtig, noch nicht überall, zum Beispiel in Wien nicht, ist man infrastrukturell für eine signifikante Erhöhung des Radverkehrsanteils gerüstet. Zur Betonung dieses Sachverhalts wird kommenden Freitag zu drastischen Mitteln gegriffen: Beim „Naked Bike Ride“ soll mit dem Mittel des unbekleideten Drahteselreitens „auf Gefahren für Radler und Fußgänger im Straßenverkehr aufmerksam gemacht werden“, und das ist eine ziemlich kontraproduktive Idee.
Nacktheit taugte circa vor 25 Jahren letztmalig als Mittel der Erregung. (Es bedarf ja keineswegs mehr der Entklemmung der Gesellschaft; das akute Problem ist vielmehr, wie man die Leute dazu kriegt, sich wieder großzügiger zu bedecken.) Und falls es nicht provokant gemeint ist, sondern witzig: ujegerl.
Ein Irrweg ist es so oder so, denn welche Botschaft kommt bei Dorli Durchschnitt an? Aha, Radfahren ist etwas für sportliche Exhibitionisten, die gern ihre nackigen Hinterbacken über Radsättel labbern lassen: nichts für mich. Man macht das Radfahren – und die berechtigten Anliegen der Radler – nicht mehrheitsfähig, wenn man es als abseitiges Hobby einer merkwürdigen Minderheiten vorführt. Und auf keinen Fall attraktiver.

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