22.06.08

Übersexualisiert, unterinformiert

Doris Knecht | 06/08 | Kurier-Kolumne

Besorgte Leserinnen und Leser bangen um meineGesundheit. Sie befürchten eine schwere Hautanblicksallergie, nachdem ich diese Woche erst die Totalentkleidung aktionistischer Radfahrer beeinsprucht und dann die Bedeckung männlicher Anlitze mit Barthaar begrüßt habe: Danke, Ihre Anteilnahme rührt mich, aber es geht mir ganz gut.
Freilich führen sowohl die  Temperaturen, als auch die auf vielerlei Weise enthemmend wirkende EM dazu, dass mir im Alltag entschieden mehr Haut vorgeführt wird, als ich gut finde, vor allem: Noch mehr als sonst. Und sonst ist es auch schon zuviel.
Besonders der ständige Anblick immer noch spärlicher bekleideter Teenagerinnen auf der Straße macht mich unrund. Junge Frauen richten sich jetzt gern wie Prostiutierte her: übersexualisiert, unterinformiert.
Das macht Sorge um den Sexualisierungsgrad der Gesellschaft und es macht Sorge um die Mädchen selbst: der Verzicht auf Textilien macht sie  angreifbar, in jedem Sinn des Wortes. Die Sache wird dadurch noch schlimmer, dass immer jüngere Mädchen immer öfter Ballonbrüste wie aus dem Schönheitschirurgiediskonter zur Schau tragen, neben den längst üblichen Konfektionsnasen. Und es ist nur noch deprimierend, dass es notwendig sein soll, eine Altersuntergrenze für Schönheitsoperationen einzuführen, obwohl es eigentlich eh eine gibt – 18 nämlich: Mit Einwilligung der Eltern darf die aber unterschritten werden, und diese Einwilligung gibt es derart häufig, dass man jetzt  Elternresistente Altersgrenzen einführen muss.
Wieder einmal zeigt sich: Verantwortungslose Eltern sind das wahre Problem der Gesellschaft. Darauf sollten wir insgesamt viel allergischer reagieren.
« General-Almöhisierung | Main | der Finger heilt die Wunde nicht »