Doris Knecht
| 06/08
| Kurier-Kolumne
Es gibt, auch wenn das augenblicklich die totale Ketzerei und schwer zu glauben ist, im Universum ein, zwei Dinge, die noch wichtiger sind als Fußball. Doch: ich kann es beweisen, denn während des EM-Spiels SchwedenGriechenland saß Hans Krankl beim Bob Dylan-Konzert in der zweiten Reihe, und zwar bis nach der zweiten Zugabe. Nein, warten Sie, ich kann nicht garantieren, dass er nicht, wie ich, während „Highway 61 revisited“ von seinem Sitz aufgesprungen und nach vorne an den Bühnenrand gestürmt ist, was während Dylan-Konzerten eine Publikumspflicht ist wie die Sprechchöre im Fußball-Stadion. Den Saal habe ich Krankl jedenfalls erst verlassen sehen, als der letzte Ton endgültig und unwiderruflich verklungen war; da aber eilig.
Allerdings gebe ich zu, dass Fußball vorgestern, in der 93. Spielminute, auch in meinem Leben ein wenig an Bedeutung gewann, denn natürlich gelingt es nicht mal einer bis auf die Knochen abgebrühten EUROSkeptiker-Hexe wie mir, sich einem Ereignis wie dem Vastic-Treffer zu entziehen; boah, ja, gut. (Mein Kind hat sich anderntags fürchterlich beschwert, warum ausgerechnet dieser Vastic, eindeutig ein Fußballgott, nicht im Panini-Album zu finden ist; Schweinerei! sagt mein Kind.)
Sagt man nicht!, sage ich, obwohl ich des Kindes Meinung teile, denn Vastic hat mit seinem Treffer die Chance reanimiert. Und die EURO macht schon mehr Freude (die EUROSkeptiker: lässt sich gerade noch ertragen), wenn man selbst noch mitspielen darf. Denn würde, jetzt nur zum Beispiel, Bob Dylan in meiner Küche auftreten und ich müsste vor der Tür lauschen, fände ich das eher semi-euphorisierend. Die Schweizer werden mir das eventuell bestätigen.